Review

Drive-By – Roll to the Beat (EP)

drive by

Review:

Individualismus ist ein großer Bestandteil der HipHop-Kultur. Hier definiert und positioniert sich der Rapschaffende.
Jeder Künstler hat seine musikalische Sozialisation und entwickelt dann seinen eigenen Stil. Der 26jährige MC Drive-By aus der süddeutschen Kleinstadt Offenburg erscheint nun auf der Bildfläche mit seinem unverwechselbaren Style und der markanten Stimme – neu ist jedoch nur, dass er rappt. Da erscheint es nicht als großes Wunder, dass der MC das sehr rap-aktive Umfeld verinnerlicht hat und sich davon inspiriert hat lassen. Er ist technisch versiert und humoristisch wie Maximum One, umtriebig wie Claudio Esposito und DJ Haslib, kreativ und wortgewandt wie Slona sowie kulturverbunden wie der Fackelträger P-Vers. Was den kleinen Mann mit der großen Klappe jedoch wirklich ausmacht ist seine offen getragene Liebe zu HipHop. Nico U. aka Drive-By ist ein Repräsenter der alte Schule. Er trägt die Fähigkeit in sich aus all den Impulsen und Inspirationen ein eigene Branding zu schaffen. Es ist letztlich das, was man bei vielen aktuellen MCs vermisst: Die Hingabe. Rapskillz sind das eine – aber wenn das Feuer nicht brennt, schwappt die Leidenschaft nun mal nicht auf das Publikum bzw. die Hörerschaft nicht über. Nico ist real. Er macht niemanden etwas vor. HipHop ist sein Ding. Er lebt HipHop. Das ist sein Sound, seine Kultur, seine Plattform, sein Sprachrohr. Dort wo HipHop ursprünglich stand -> daran erinnert uns Drive-by: Es geht nicht darum wer du bist oder wo du herkommst – es geht darum was du machst. Und wo geht es heute denn noch wirklich um Talent, Aktionismus und Passion? Nico wirkt wie aus einer anderen Zeit gefallen. Er geht auf Jams, liebt Konzerte, feiert auf Partys zu dem Sound der DJs, setzt Ideen mit seinem Beatmaster Jim Pansen um und netzwerkt wo er nur kann. Selfies und Shootouts mit Szenegrößen wie MoTrip oder Redman sind kein Zufall. Cuts und Support von HipHop-Schwergewichten wie DJ Crypt sind kein Zufall. Nico überläßt nichts dem Zufall. Er hat einen Plan wie seine Musik klingen soll und was er vermitteln will. Unverwachsen. Echt. Am Ende ist er vorallem ein Mutmacher für all jene, die vom Schicksal benachteiligt wurden. Nico sitzt im Rollstuhl und rappt unverblümt vom Leben mit dieser Einschränkung. Dabei trägt er die Positivity-Philosophie einer fast vergessenen Tradition (ATCQ, DeLaSoul) der HipHop-Historie in sich. Es soll mit dem Teufel zugehen, wenn die Rapublik nicht oft über Drive-By “stolpern” wird. Ich bin mir sicher, dass seine selbstironische Westcoasthommage “How I do” im Sommer zur Lokalhymne wird und so manchem Auto gepumpt wird. Die weiteren Zutaten zu seinem gelungenen EP-Gemisch sind die schmucke Lasziv-Stimme von Alex Prince (die bereits “Limit” von Kool Savas veredelte), die talentierte Nachwuchskrieger der High-Five-Crew (Momotion, Ivery, T.K.), dope Cuts von Namean und Crypt, starke Referenzen an klassisches 90s-Material zwischen NINE und WU-Nostalgia, deepe Stories und dieser grandios-lustige Track “HipHop Arzt” mit Seitenhiebe an die halbe nationale Rapzunft. Glaubt mir – der Song wirbelt noch ordentlich Staub auf.

Die EP “Roll with the beat” von DRIVE-BY bekommt man am 21.04.2018 bei der Releaseparty im KESSEL / OFFENBURG oder über seine Homepage.
Digitale Konsummöglichkeiten folgen!

Text: Peter Parker


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