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Dzihan Kamien: Music Matters

Dzihan Kamien: Music Matters

Vlado Dzihan und Mario Kamien sind gehören irgendwie zur Wiener Downbeatschule wie das Schloss Schönbrunn zur österreichischen Hauptstadt – auch wenn sie der Generation nach dem famosen Überhype von Kruder & Dorfmeister angehören.
Die zwei Musikproduzenten haben sich auf ihren bisherigen vier Alben (das Live-Album nicht mitgerechnet) immer wieder ihrer kosmopolitischen Grundausrichtung erinnert. Ihre jazzigen Downbeats war einst auf „Freaks & Icons“ in einen Hype hinein produziert und zu recht euphorisch weltweit gefeiert. Es folgte eine Weiterentwicklung die viele purisistischen Downbeatverfechter Anfang des Jahrtausends nicht mehr wirklich behagte. Die Musik wurde des halb nicht schlechter. Ein Livekonzept folgte sogar. Einen Schritt denn wenige DJs überhaupt anvisieren bzw. hinbekommen.
Nun wollen die beiden mit ihrem neuen Werk „Music Matters“ weiter die Altlasten abstreifen. Weinen doch sehr viele Lounge-Sound-Fanatiker selbst des alten Recken Peter Kruder und Richard Dorfmeister hinterher. Die Zeiten waren genial – keine Frage. Aber sie sind vorbei. Deutlich darf man das immer wieder hervorheben, dass diese Musiker auch das Recht haben, sich weiter zu entwickeln.

Elektronische Sounds werden deshalb lange nicht außen vor gelassen. Vereinzelt schlagen sie sogar immer noch hohe Wellen auf „Music Matters“. Da hätte man ein Clubtool wie „The time“ das absolut nichts mehr mit der den jazzig, abgehangen Downbeats von vor 10 Jahren zu tun hat. Hier kann man eher eine Beeinflussung des aktuellen Franzosen-Ed-Banger-JUSTICE-Vibe vermuten. Auf „Bazooka“ verdeutlicht sich das dann noch einmal. Großartige Feierlaune macht sich hier bereit. „Busted“ geht diese Sache dann doch noch mal etwas funkiger und direkter an.
Dann hat „Music Matters“ aber auch diese ganze andere Seite. Eine Seite die gewöhnlich Intro & Spexlesern als ausgewöhnlich gut propagieren. Sehr harmonisch lassen hier die beiden Produzenten auf eine völlig neue Richtung ein. Diese vermischt Indie-Rock, Folk, Electro und Pop. Radiohead und Konsorten haben also auch die zwei Wiener in hier Herz und ihre Inspirationen eingeschlossen. Man darf dazu nur gratulieren, weil vor allem „Summer Fever“ ein Hit darstellt, der hoffentlich nicht nur von den Intro & Spex- Kumpanen gefeiert und in den Jahreshitlisten gespottet wird. Wer solch einen gelungen Switch zwichen den Genres schafft und zudem noch partiell die Melancholie so verpackt sollte unbedingt Gehör finden.

Peter Hagen

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