Kroatien ist eines der Lieblingsurlaubsländer – nicht nur der Deutschen. Über 10 Millionen Menschen verbringen ihren Sommer jährlich in dem Balkanstaat. Nach den Wirren des Balkankrieges in den 90ern hat sich hier wieder vieles erholt und neu positioniert. Eine versatile Clubszene hat sich hier genauso gebildet wie Orte an denen eben nicht auf Ballermann-Gesabbel der Durchschnittsurlauber glücklich gemacht werden soll. Einer der innovativen Klubkultur-Antreiber ist Eddy Ramich. Der passionierte DJ der lebt was er als Ideologie seit Jahren vorgibt. Hier gibt es keine Stagnation, weil die bedeutet Langeweile. Einst im Fahrwasser des NuJazz Ende der 90er Jahre macht er mit satten Remixen als Tagteam Eddy & Dus auf sich aufmerksam. Seit nunmehr 11 Jahren veranstaltet Ramich die Clubnacht „Kontrapunkt“ in Zagreb. Illustrierte Gäste wie Carl Craig, IG Culture oder Rainer Trüby nennen die Nacht respektvoll „The place to be“ – weil man hier unabhängig von Konventionen Musik zelebriert.
Der Begriff des Future Funk oder NuJazz ist eher mit der Vergangenheit als mit der Gegenwart damit verhaftet – wie bei den Kollegen Trüby und Jazzanova inzwischen auch.
Ramich zeigt mit Partnerin Yannah Valdevit, dass „soulful“ ein zeitloser Faktor ist und immer Platz in zeitgenössischen Produktionen finden kann, wenn man die Fähigkeit hat, diesen auch geschmeidig einzufügen. So bastelt Ramich weiter an Beats die clubtauglich sind, aber analog zu Jazzanova, das Songwriting und die Komposition hochhalten und somit das ganze aus weiteren Perspektiven nach vorne treiben.
2010 scheint „Electro“ die Clublandschaften zu beherrschen – der Faktor „Soulful“ geht dabei viel zu oft verloren. Scheinbar fühlte sich das kroatische Duo hier zu berufen einen Gegenpol zu bilden. House ist nicht tot. Auch wenn das mal wieder aus vielen Fachkreisen propagiert wird. Ramich, einer der begnadetsten DJs weltweit weiss das und bringt das beseelten House-Feeling der Ära New York gerne zurück, weil er ganz genau weiss wie sich das anhören muss und wie es frisch und lebendig klingt. Mit den Songwriter-Skills und Gesangsqualitäten seiner Partnerin baut er eben mal ein großartiges Stück Dance-Music mit einem Niveau, dass man Albumlänge so ganz und garnicht täglich serviert bekommt. Man spart hier nicht an Hymnen für die Tanzfläche. „This is Love“ oder „Follow me“ sind nur zwei ganz große Tunes die förmlich nach dem Dancefloor schreien. Eddie schiebt die Broken Beats und diesen ganz markanten House-Vibe durch das gesamte Album – was die eine oder andere mid-tempo Nummer nicht ausschließt. Diese beiden Künstler (und vor allem dieses Album) sollte man auf dem Schirm haben wenn man frische Clubmusik sucht, die Disco, Jazz, Soul und House fusionieren und dabei zu keiner Minute verkopft klingen. Put ya hands up!
Peter Hagen