Hat HipHop es wirklich geschafft sich gerade wieder gesund zu schrumpfen? Es gibt zumindest Anzeichen dafür, dass sich einige Veröffentlichungen nicht mehr nach einer kommerziellen Hitsingle richten oder gar die ganze Soundästhetik sich dem aktuellen Gleichschaltungsgelümmel anbiedert. Mos Def zeigte es letztes Jahre mit seinem Überalbum sehr auffallend, Nas findet zu nicht mehr geahnten Stärken zurück in dem er mit dem Reggaesoldat Nr.1 mutig kooperiert,
Jay-Z ist immer für ein paar kreative Stücke gut und momentan führt ja an Black Milk nichts vorbei. Aber auch die vermeidlich kleinen Künstler sind bei genauerem Hinhören groß. Wenn man von Rap spricht, muss man von New Jersey-MC El da Sensei sprechen. Wenige Mikrophonaktrobaten haben in der Szene eine so heftige Reputation wie das Veteran. Spricht man von ihm, ging es noch nie um große HipHop-Hymnen (House of Pain), epochale Alben (Jay-Z) oder innovative Werke (Company Flow, Neptunes). Bei El steht das Wort im Vordergrund. Sein Skillz sind auch 2010 immer noch die derbsten und spielen in einer eigenen Liga. Schon bei den ersten Tönen seines neuen Album „Nu World“ gibt er die Marschrichtung vor, für die ihn seine Fans seit fast 20 Jahren lieben. El ist und bleibt ein Kind des ungeschminkten Hardcore. Auf den ersten Blick verwunderlich erscheint, dass er ein Kooperationsalbum veröffentlicht, dass er komplett mit und in Polen aufgenommen hat. Das Ostblockland ist mehr für seinen Krauteintopf, sein mit dem Flugzeug abgestürztes Staatsoberhaupt und für den Büffelgraswodka bekannt, als für dicke Beats. Pustekuchen! Little & P. Poplawski sind das DJ & Produktionsteam The Returners und schmieden musikalische Bomben die von der Machart und vom Style stark an die jene legendären Beats von DJ Babu (Dilated Peoples) und DJ Revolution erinnern. Im tiefsten Osten Europas ist mit „GT2: NuWorld“ ein Album entstanden, dass dem Ende 1990er Boom Bap der Hardcore-Liga zwischen der Boot Camp Clikk, KRS1 und Freddie Foxx in nichts nachsteht. Für 90s-Babys, Nostalgie-Freunde und Anhänger des unverwaschenem Rap ist diese Scheibe ein Highlight, vielleicht sogar ein Must-Have. Mit der Unterstützung von Reks, John Robinson, Sean P., Labelmate und Masta Ace-Zögling Bekay, Female Mc Tiye Pheonix und Treach (Naughty by Nature) fehlt eigentlich an nix bei einem Werk das die Zielgruppe glücklich macht – mehr aber nicht.
Peter Hagen
Erscheint als Vinyl, CD und Download.