Element of Crime: Immer da wo du bist bin ich nie
Review:
Nach ihrem Erfolgsalbum „Mittelpunkt der Welt“ im September 2005 hatte man wenig bis nichts mehr von Element of Crime gehört. Gut, eine Tour 2006 und Sven Regeners Buch „Der kleine Bruder“ 2008, aber sonst Stille. Das führte zu Entzugserscheinungen der ganz üblen Art: Unterwegs in Berlin sah ich ständig Sven Regener. Stand er da nicht an der Supermarktkasse? Und der nachdenklich blickende Mann dort am Flohmarktstand, das war doch -? Die Stimme hinter mir im Plattenladen? Doch immer da, wo ich war, war er nie. Und Halluzinationen sind nicht schön. Das hat nun ein Ende, wenn auch das Versteckspiel irgendwie weitergeht, denn „Immer da wo du bist bin ich nie“ heißt das neue Album von Element of Crime.
Ich habe nie so richtig verstanden, warum das Tonstudio beim Aufnehmen oder Abmischen eines Album Einfluss auf die Produktion haben sollte. Aber hier hört man die Mischung aus Berlin und Nashville in jedem Ton. Und das ist der schöne Überraschungseffekt, das Neue und gleichzeitig sehr Vertraute bei Element of Crime.
Zehn Songs verteilt auf pfirsich Minuten bringen das gute alte EoC-Gefühl zurück in Ohren, Hirn und Herz. Es kitzelt einem Lachtränen in die Augen oder legt sich schwermütig auf die lyrische Seele. Es macht größtenteils Spaß und es gibt Sinn, mit jedem Hören mehr. Etwas Geduld bis zum Kick der Erkenntnis braucht man schon. Natürlich ist man – wie immer bei Musik dieser Band – geneigt, jeden Song zu zerpflücken. Jede zweite Zeile ist ein echter Regener, zitierfähig durchdacht. All die musikalischen Feinheiten verdienen Beachtung, von der Idee bis zur Ausführung. Doch jeder Hörer zerpflückt anders und soll dies bitte selber tun oder bleiben lassen.
Das neue Album, Nummer 13 in der 22 jährigen Geschichte des Quartetts, beginnt „böse und heiß“ mit einer beschwingten Autofahrt und lässt erste Ausflüge ins Country-Land hören. Im Verlauf gibt es mehrere Songs, die rhythmisch & ruppig an den jungen Johnny Cash erinnern, die mit Banjo, Mundharmonika und Steel-Gitarre glänzen. Es gibt natürlich auch erwartungsgemäß die wunderbaren Chansons im ¾ Takt und sehr schöne Balladen. Streicher und Trompete tauchen eher dezent auf. Die Texte handeln von Spielplätzen und Gartencafés, von Erdbeereis und Kaffee – letztlich immer von großen Gedanken im kleinen Gehirn. Es sind detaillierte Alltagsbeobachtungen und Liebeserklärungen, stets in dem von Sven Regener perfektionierten sinnwandelnden Textzeilen-Splitting. Den Ausrutscher in die Rolf-Zuckowski-Welt kann man verzeihen angesichts der Herrlichkeit der anderen Songs. Am Ende fühlt man sich wieder bestätigt, dass man ohne Element of Crime nicht glücklich leben kann, dass man sie nicht suchen muss, weil ihre Musik einen findet und dass es eine niveauvolle Melange aus Eloquenz, Melancholie und Humor gibt.
Regina Sommerfeld
Tracks:
- 01. Kopf aus dem Fenster
- 02. Am Ende denk ich immer nur an dich
- 03. Deborah M�ller
- 04. Kaffee und Karin
- 05. Einer kommt weiter
- 06. Immer da wo du bist bin ich nie
- 07. Bitte bleib bei mir
- 08. In mondlosen N�chten
- 09. Der wei�e Hai
- 10. Euro und Markst�ck
- 11. Storms Are On The Ocean
Releases:
- Element of Crime: Immer da wo du bist bin ich nie, VÖ: 18. September 2009
- Element of Crime: Immer da wo du bist bin ich nie, VÖ: 18. September 2009







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