Es gibt sie immer wieder. Große Jazz-Stimmen die auf dem international immer noch anwachsenden Markt im NuJazz-Sektor neue Wege suchen und finden, um ihren Gesang mit unkonventionellen Sounds zu verbinden. Elizabeth Sheperd hat in der jüngsten Vergangenheit mit ihrem Gesang und ihrem Trio für ordentlichen Wirbel gesorgt. Die Kanadierin hat sich durch kontinuierliches Touren (UK, Japan, USA, Kanada) und der Präsens wichtiger Jazz-not-Jazz-Kanäle einen sicheren Platz erspielt. Ihr Talent wird zwischen Gilles Peterson (BBC London), Matt Galloway (CBC Toronto), Jazzanova (Radio Multikulit / Berlin), unzähligen DJs und der internationalen Presse gefeiert. Dem heimlichen Mastermind im Hintergrund, John Kong, hat sie wohl auch einen Großteil ihres Erfolges zu verdangen. Der Freigeist, immer auf der Suche nach Nachwuchs u.- Ausnahmekünstlern, gilt als Drahtzieher und ist mit seinem Label DO RIGHT MUSIC ein wichtiger Eckpfeiler eines internationales Netzwerkes der Future-Jazz-Bewegung.
So hat Shepherd mit „Start to Move“ 2006 die Gemüter mit ihrem Spagat zwischen klassischen Jazzgesang und Fusionen mit Jazz-Funk, Blues und leichtem HipHop-Hintergründen erfreut. Die weltweite Presse sah in ihr, zu Recht, eine weitere wichtige Komponente immer wieder aufbegehrenden Zirkel des eklektischen Sounds. In der Tat ist ihr zweites Album solch ein Appell an mutige Verzweigungen verschiedenster Grooves und feinstem Gespür für Musik. So ist „Besides“ ein Mixtur aus klassischen, oft etwas swingenden Jazz („Soya“) und Remixen bzw. Reworks. Während der nicht zu stoppende Benedic Lamdin unter seinem Synonym Nostalgia 77 etwas mehr die neuen Klangwelten bedient, geht Sheperad auf „Open your eyes“ den Weg zu ihren eigenen Inspirationsquellen zurück. Dieses Cover von Chick Corea steht für Jazz, der über den Tellerrand schaut und in sich selbst treu bleibt. Nichts wirkt hier aufgesetzt. „Besides“ ist ein Allround-Bekenntnis zum Talent dieser jungen Kanadierin. Die Live-Version ihrer BBC-Session ist genauso imponierend wie ihre brandneuer Song „One Trump Card“ oder die Reworks von Alister Johnson und dem Compost-Balkan-Duo Eddy meets Yannah. Selbst die Club-DJs kommen hier noch mit den housigen Reworks von „Melon“ und „George’s Dilemma“ auf ihre kosten – bei denen die Basic Soul Unit und Earth Corp einen gute Job gemacht haben. Das ist schon viel mehr als nur ein Fan-Paket.
Peter Hagen (Jazzriots)