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Evidence: Cats & Dogs

Evidence: Cats & Dogs

Man zeige mir bitte nur einen HipHop-Fan der das hier nicht von Track 1 bis Track 17 durchfeiert! Evidence hat nach seinem gewohnt deepen, düsteren und reduzierten Knaller „Weatherman“ den werten Rapfan fast 4 Jahren warten lassen – das hat sich jedoch gelohnt, nicht nur wegen der Premo-Kollaboration „You“.

Manch ein Head ist verwundert darüber, warum Evidence so viel Liebe aus allen Ecken bekommt – aber hier sollte man doch nochmal genau hinschauen. Dieser Mann ist alles andere als ein Neuling, auch wenn einige Pressevertreter das so (fälschlicherweise) propagieren. Neben der unlimitierten Zuneigung der Gemeinde aufgrund der Dilated Peoples-Fame war es übrigens auch Evidence der sich mit einem gewissen Eminem anlegte und genauso Kanye West als „Fluch und Segen“ bezeichnete. Große Gegner sind ihm egal – abgesehen davon, dass ihn Em in Einzelteile zerlegt hätte, wenn es so weit gekommen wäre. Evidence war noch nie ein Reimemonster, er weiss jedoch ganz genau wie man ein laid-back-rhyme über einen abgehangenen Beat legt und dazu zur richtigen Zeit das Sample einflechtet und loopt. Man könnte sogar sagen, dass er Untergrundbeatschmiede der etablierten Liga, wie etwa einen Havoc, mit seinen eigenen Waffen geschlagen bzw. überrundet hat. Somit ist er, analog zu Pete Rock & Black Milk, ein rappender Produzent, der beides auf hohem Niveau in Einklang bringen kann.

Vielleicht findet die fast komplette HipHop-Anhängerschaft deshalb einen gemeinsamen Konsens zu Evidence weil er eben ein Traditionalist aus revolutionären Gründen ist. Man folgt nicht einer klassischen Formel, weil man eben klassischen Rap machen will bzw. sich selbst dort verortet. Auch wennn so einige altgediente Haudegen im Spiel das so sehen. Am Ende von Tag ist Ev ein Revoluzzer, weil er immer alles aus einem Track und sich selbst herraus holt. Diesem Anspruch folgen heute bei Gott nicht mehr alle HipHop-Künstler.

Die Musik muss Dope sein. Er will weder Presse noch Starruhm. Dafür steht das wie aus einem Guss gemachte neue Album „Cats and dogs“.

Die alte Generation von Premo-sozialisierten, eventuell sogar Dilla-fanatischen Heads liegt ihm natürlich schon lange zu Füßen – bleibt die Frage ob Evidence einfach eine Art künstlerischer Zwilling zu seinem Brother-in-Smoke The Alchemist ist und auch andere Hörer für seine Kunst begeistern kann bzw überhaupt sollte!? Alchemist, jener verraucht-geniale Beatschmied, der Mobb Deep und DJ Muggs zu jeder Minute huldigt, aber gerne auch mal für die kommerziell besser verdienenden Superstars (Snoop!) mit knochentrockenen Brettern versorgt und dort ebenfalls geschätzt wird, ist eventuell der geistige Vater hinter diesem Album. Nicht nur weil ein gemeinsames Album sowieso in der Pipeline steht. Ev hat somit nicht nur gleichgesinnte Brüder im Spiel, sondern auch das Q-Tip-Gen. Jenes Gen, das dem Besitzer die magische Kraft gibt, zeitlose Musik zu machen. Und eines muss natürlich auch hier erwähnt werden, wenn auch für Fans überflüssig: Nein, er hat keine Eurodance-Nummern zwischen Hadaway, Leila K. und Eiffel99 gesampelt.

So sind Gastbeiträge von Reakwon, Rasskass (!), Aloe Blacc, Roc Marciano, Prodigy, Slug, Aesop Rock, Rakka, Lil Fame, Termanology und Krondon nur kongeniale, jedoch unspektakuläre Ergänzungen – die es vielleicht gar nicht gebraucht hätte. Er hat es ein zweites Mal, scheinbar spielend auf seine ganz eigene Art, geschafft einen Klassiker zu schaffen. Big thing!

Peter „Parker“ Hagen

“Cats & Dogs” erscheint auf Vinyl, als CD und als Download am 29.09.2011

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