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EXPLOSIVE SWEDEN MASSIVE

Review:

Wer von das Glück hatte, in den frühen Achtzigern, die erste HipHop-Welle in

Europa mit zu bekommen und auch noch einen älteren Bruder zu haben, der ein

vorzüglich ausgestattete Plattensammlung aus dieser Zeit daheim rum stehen hatte - um dessen musikalische Sozialisation musste man sich keine Sorgen machen. So erging es

Fredrik Lager aus Stockholm. Und man hört es in seinen Produktionen, woher er kommt.

Der Elektro-Boogie, auf den sein Bruder breakte. Den Funk, den man als B-Boy sowieso mitbekam. Den Afrobeat, der eine weitere Stufe und Vertiefung des Plattensammelns darstellte. Public Enemy & Run DMC brauchte man damals nicht entdecken - sie waren die Helden einer ganz neuen Subkultur, der man nacheifern bzw. zu der man dazugehören wollte.

Und das war damals nicht nur eine jugendliche Entdeckungsreise, sondern eine Initialzündung.

"I have always been attracted to rhythms, drums and percussion" erzählt der Mittdreißiger rückblickend.

Heute ist er nicht nur ein gefragter DJ und Produzent, sondern auch Besitzer eines riesigen Fundus an Vinyl aus Latin, Funk, Soul, Brazil, Disco, Reggae und Rap-Scheiben. Die Liebe zur Musik konnte er schon früh sich zu Nutze machen. Bereits als Teenager konnte er sein Vinyl-Junkie-Dasein und Neugier an alten und neuen Sounds in einem lokalen Plattenladen als Verkäufer befriedigen.

Dies füllte ihn irgendwann auch nicht mehr vollständig aus. So suchte er nach Alternativen. Laut seiner eigenen Aussage, konnte diese nur ,,do it yourself", sprich ,,selbst produzieren", heißen. Nach all den Jahren spricht er sehr euphorisch über seine ersten Schritte, wie das Kaufen seiner Drummachine und der geliebten Turntables. "This was the best investment I've ever made".

Somit war sehr früh klar, dass er dieses Equipment brauchte um sein Kreativität kanalisieren zu können.

Der zweite, wichtige Schritt zu dem, was er heute darstellt, war die Bekanntschaft mit DJ Mad Mats. Mit ihm konnte er nicht nur Produktionserfahrungen austauschen und auflegen - sondern fand auch einen kongenialen Partner, der seinen musikalischen Output auf seinem Label Raw Fusion Recordings veröffentlichte. 1994 datiert er seine ersten Gehversuche in Sachen Produktionen. Jedoch dauerte es fast zehn Jahre bis er zu seinem wohl verdienten Ruhm kommen sollte - und die Früchte seiner kontinuierlichen Schaffens einfahren sollte.

Unter dem Pseudonym Red Astaire veröffentlichte er zwischen 2003 und 2006, auf dem Raw Fusion-Ableger G.A.M.M Records, nur drei 12inches, die ihm weltweite Wertschätzung eingebracht hatten. Seine Produktionen, Remixes sowie Mash-Ups zwischen Latin, Funk, HipHop und Reggae auf den Labels Jugglin' Records, Go!Beat Records, Ubiquity und Swedish Brandy machten ihn nachhaltig international bekannt.

Die logische Konsequenz zum nächsten Schritt war dann die Gründung des eigenen Labels Homegrown Records - ohne in irgendeinem Streit mit dem alten Weggefährten Mad Mats auseinander gegangen zu sein. Im Gegenteil. Er arbeitet gerade an brandneuen Remixen, Mash ups und einem weiteren Album für Raw Fusion. Wie variabel und produktiv dieser Nerd ist, zeigen nicht nur seine Projekte der letzten drei Jahre und die für die Zukunft. Schaut man in die Gegenwart, sieht man allein für 2006 zwei komplette Alben und drei weitere, unabhängige Singles. Unter dem Pseudonym ,,3 Feet People" veröffentlichte er bereits im Mai eine Langspielplatte auf der er feinste Rare-Groove-Samples mit Dub und Reggae-Grooves, abseits von allzu viel HipHop, zu einem sehenswerten Downbeat-Mix verband.

Herbst 2006: Wahre Fans seines Schaffens werden jetzt feuchte Finger bekommen. ,,Soul Search" heisst sein neuestes Werk und wird am 27.Oktober über einen der wichtigsten Freestyle-Imprints überhaupt, TruThoughts Records, in Europa in Kooperation mit Raw Fusion, vertrieben. Somit scheint die Basis gelegt zu sein. Wenn man auch noch bedenkt, dass viele prominente und einflussreiche Leute wie Erykah Badu, Jazzy Jeff, Bobbito oder Gilles Peterson, seine Musik sehr mögen und supporten - war natürlich die Spannung auf den ,,wirklichen" Freddie Cruger und sein Debütalbum sehr gross.

Seelenvolle Musik muss man auf ,,Soul Search" nicht suchen - es ist voll damit. Dieses Album erfüllt die Erwartungen. Auffällig ist, dass es soviel Musikstile vereint, aber nie aus dem Rahmen fällt. Ist es für einen Produzenten und Szeneprotangonisten wie Freddie Cruger ein Fankreditverlust, wenn er mit Tracks wie ,,Pretty Littel Thing" mit der süssen Stimme von Sängerin LINN ganz heftig am HipPop alla Black Eyed Peas rüttelt? Die Antwort lautet ,,Nein". Aufgrund dessen, dass der Song (wie das ganze Album) zu keinem Zeitpunkt eben nie die Seele verliert und sie in Plastik-Pop eintauscht. Gerade solche Tracks muss man doch dankbar annehmen, denn sie wirken wie eine Brücken zur aktuellen Radiolandschaft - zu einem Kompromiss mit dem alle Seiten leben könnte. Ob Crugers Tracks, zumindest bei uns jemals im Mainstream-Radio laufen werden, sei mal einfach so dahin gestellt.

Abseits dieses Gedankens ist ,,Soul Search" ein 13 Track starkes Album mit Blicken in viele Richtungen. Irgendwo im vergleichbaren Fat Freddy's Drop-Kosmos, zwischen Soul und Reggae, befinden sich die besten Tunes dieser Langrille. Die Kollaborationen mit Desmond Foster (von der Gruppe Hearin'Aid) und ADL (,,Running from Love") bewegen nicht nur Ärsche auf der Tanzfläche sondern auch welche auf die Couch zum zurücklehen. Die Basis HipHop gilt in verschiedenen Fusionen mit den Komponenten Latin, Funk und Jazz immer als Ausgangspunkt. Was der Schwede daraus als Endprodukt gemacht hat, ist purer Spaß mit sehr unterhaltsamem Abwechslungsfaktor. Global. Eklektisch - Herrlich dazwischen.

Peter Hagen (Jazzriots)

Releases:

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Interpret:
Freddie Cruger (Aka Red Astaire)
Label:
Tru Though
Stil:
Hip Hop Freistil Funk

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