Als Arthur Conley im Jahre 1967 mit seinem Hit “Sweet Soul Music” die ganze Leidenschaft der Soul Music umschrieb, konnte man noch nicht wissen das ein gewisser Kölner Multiinstrumentalist namens Thomas Berghaus diese Leidenschaft in die Jetztzeit transportiert. Er selbst wusste es wahrscheinlich nicht mal. Fakt ist jedoch, dass er vor über 15 Jahren die Band Family Vision Care gegründet wurde und nach einer Veröffentlichung gingen die beteiligten Musiker samt Chef Berghaus ihre konventionellen beruflichen Wege. Die Liebe zu schwarzer Musik der 60er und 70er Jahre blieb und begleitete Berghaus über all die Jahre.
Der in Deutschland seit den 80ern ansässige und als Entertainer aktive amerikanischen Sänger Garfield Harrison teilt diese Liebe mit Berghaus. Die Begeisterung für Jazz, Funk und speziell Soul der vergangenen Tage spürt man auf jedem Ton von „Careful“, dem gemeinsamen Album der beiden. Der Song „Dancing with Marvin“ spiegelt diese ungebrochene Verehrung für die Soulikonen der 70er Jahre. Die Referenzen kommen aber nicht nur von dem heiligen Dreigespann Wonder/Franklin/Gaye. Auch wenn der Soul in jedem ihrer Kompositionen spürbar sowie die Basis aus macht, verarbeiten sie vieles mehr. Diese Scheibe überzeugt durch ihre Musikalität. Bossa Nova, Jazz und poppiger Ausflüge beleben das Album und umgehen von vorne rein die Gefahr, dass man hier in Nostalgiegedanken hängen bleibt. „Careful“ besticht durch die grundlegende Ehrlichkeit die jeder Tune ausstrahlt. Der Sound von Family Vision Care ist reif, liebevoll und intensiv produzierte sowie geschriebene Musik. Im Gegensatz zu den Kollegen von Funk-Fach setzten sie hier auf eingängigere Melodie und verzichten auf harte Gitarren-Riffs. Musik wie diese ist einfach schon von vorne herein gut weil sie schlicht authentisch, souverän und selbst gemacht ist. Spektakulär ist anders, aber Soul ist auch 2008 noch wichtig. Vielleicht mehr denn je.
Peter Hagen (Jazzriots)