Fashawn: Boy meets world
Review:
Man kann es einfach nicht mehr hören – dieses ganze Rumgejammere, dass früher alles besser gewesen wäre. Wie viele Heads wollen eigentlich noch an mich herantreten und dieses gefährliche Halbwissen verbreiten, es gäbe keine guten HipHop-Scheiben mehr?! Ignoranz wo man hinhört. Ja, es gibt wirklich noch genügend hochwertigen und hörenswerten HipHop 2009. Und nein, man muss bei Leibe nicht die aktuell cluborientierten HipHouse-Sachen feiern und sie auf ein allgemeines Spiegelbild des zeitgenössischen HipHop reduzieren. Es ist eigentlich nicht anders als vor 10, 15 Jahren – den die Vielfalt zeigt sich nicht an der Oberfläche, sondern nur wenn man danach sucht.
Rückbesinnung auf die goldenen Jahre der 90er bzw. auf den klassischen Ansatz zwischen Beats und Samples sind auch immer wieder lohnenswert für die alte und die neue Generation der HipHop-Hörer. Aber auch hier braucht niemand eine Kopie der alten Werke, weil sonst könnte man ja diese Scheiben einfach wieder aus den Crates ziehen. Klassisches in Moderne transportieren – das sind die Werke von Illmind, Marco Polo, Statik Selektah oder Oddissee, einer Generation von Produzenten, die sich traditionell orientieren jedoch nicht der alten Schule anbiedern wollen. Charakteristisch passt auch DJ Exile in diese Sparte der Beatfrickler. Der aus L.A. stammende begnadete DJ und Beatfanatiker hat bereits für den kongenialen Underground-Rookie BLU vor zwei Jahren ein Album geschmiedet, dass damals als das Up-to-date der kreative Strömungen der Westküste gesehen werden durfte.
Mit dem aus San Francisco stammenden Fashawn hat er sich nun einen weiteren jungen und überdruchschnittlich talentierten Rapper geangelt, der es scheinbar in die Wiege gelegt bekommen hat, die scheinbar oft getrennten Welten zwischen Backpack-Dogmatismus und Gangstaism zu vereinen. Perfekt schlägt er in seinen wasserdichten und pointierten Lyrics die Brücke zum alten Ruler Slick Rick („Hey yound world“) und fordert „Freedom“ durchdacht auf allen Ebenen, spottet raphistorische Referenzen („Life as a shorty“) oder trifft sich mit dem immer relevanter werdenden Weatherman Evidence auf einen Austausch unter Gleichgesinnten („Our way“) aus dem Westen. Selbstreflexion („Why“) und Autobiographisches („Father“) findet man bei diesem erst 20jährigen Energiebündel ebenso wie Gesellschaftskritische Töne („The Ecology“) neben einem Partyshaker für die Ladies („Lupita“) und einem dicken Packet gebündelt mit purem Soul in einem Blick zurück („Boy meets World“). Mit „Samsonite Man“ findet sich hier auch ein Rapsong an dem Outkast wahrscheinlich seit Jahren basteln und es verdient hätte in den Jahresbestenlisten der Heads aufzutauchen.
Bei aller Freude über die aktuellen sehr gelungenen Werke von Jay-Z, 50 Cent, Mos Def, Meth/Redman oder Reakwon gibt es hier einen jungen MC aus Frisco der ein Album wie ein Donnerschlag abliefert. Technisch gibt es außer vielleicht noch Buff1 aus Detroit wohl keinen MC im aktuellen Spiel der soviel zu bieten hat. In Kombination mit Exile’s Beatwelten gehört „Boy meets world“ zur großen Überraschung des Jahres und hat das Prädikat „Must have“ verdient.
Peter Hagen







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4 Kommentare
Heavy Rotation!
von Shine
vor 253 Tagen
Word Up man, das kritik bester klasse
hip-hop, keep it live
reza one aus hamburg
von Reza One
vor 226 Tagen
Is this our future or is he the past!?
Keeps it real!
von Schoko
vor 204 Tagen
http://www.hhv.de/item_185056.html
Gibt doch auf Vinyl. Checkt das bei HHV. Endlich!!!!!!!
von Nano
vor 165 Tagen
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