Der dicke Johannes hat es wohl endgültig geschafft und die Fans vergrault die auch bei den übelsten und plakativsten Clubhymne die Jubelarme jahrelang nicht verwehrt haben. Fat Joe ist mit diesem Album nicht an Jigga’s „D.O.A“ gescheitert – sondern an sich selbst. Es war bestimmt nicht förderlich für den Verkauf der Cluborientierten Tracks mit Akon („One“), T-Pain („Put ya in da game“), Rico Love („Aloha“) oder Ron Browz („Winding on me“) die sich hier auf dem neuen Album des Schwergewichts finden – jedoch folgt Joe einfach einem Konzept, dass inzwischen bis auf ein paar musikalisch noch nicht sozialisierte Zwölfjährigen entweder nur noch nervt oder einfach langweilt. Es können sich viele ja nicht mehr vorstellen, aber es gab vor AutoTune Zeiten in denen der Chorus von Sängern ohne Effekte gesungen wurden. Man denke etwas weiter zurück zu Nat Dogg. Oder an die R’n’B-Stimmchen von Ashanti oder Mya. Fat Joe bezieht sich offenkundig auf den namentlichen Vorgänger aus dem Jahr 2001 als er mit diesem Konzept der poppigen Singles „We thuggin’“ oder „What’s love“ die DieHard-D.I.T.C zu großer Toleranz trieb. Aktuelle Sounds hat der Bomber aus der Bronx immer wieder in seine Alben einfließen lassen und der Erfolg war ihm die letzten 8 Jahre sicher. Kooperationen mit Lil’ Wayne, Plies, Ja Rule, Jennifer Lopez, Dre oder Nelly unterstrichen seine Ambitionen den Boom Bap alter Tage neuen Sounds, vorzüglich aus Miami, weichen zu lassen. Auch wenn mit dem Premo-Monster „That white“ auf dem letzten Album doch noch etwas Hoffnung auf eine Rückbesinnung hatte, wäre letztlich konträr zu Joe’s Entwicklung und wohl auch seiner Überzeugung.
Prinzipiell sollte erstmal gesagt sein, dass AutoTune nicht immer öde ist wie einige knackige Dancehall-Clubhybride immer wieder beweisen und nur so ihr Berechtigung haben. Nun hat Don Cartagena auf J.O.S.E.2 jedoch nicht nur Belangloses aus der AutoTune-Welt zu bieten. Mit „Blackout“ baut Swizz Beatz ihm ein grimmiges Brett mit einem mächtigen Bass. „Joey don’t do it“ steht mit dem Verweis auf Jimi Hendrix’s Klassiker und dem E-Gitarren-Einsatz voll und ganz auf der Haben-Seite. Auf „Okay okay“ blitz wenigstens seine alte lyrische Stärke auf. Das von Kevin Watson durch ein Willi Hutch-Sample beseelte Stück „Ice Cream“ bestätigt noch mal, wozu Joe eigentlich fähig gewesen wäre. „Music“ ist dann wohl der Tune der den Bogen zu 2001 doch noch spannen soll. Sein Beef mit 50 Cent braucht, bis auf die lustigen Filmchen auf „This is 50“ eigentlich auch keiner mehr. Letztlich scheitert man wieder einmal an Fat Joe, den der HipHop-Fan an sich sehr schätzt. Hoffnung macht mal wieder, dass neben bedeutungsloser Clubscheiße auch noch gute HipHop-Mucke hier zu finden ist.
Peter Hagen