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Fleur Earth: Skurreal

Review:

In den letzten Jahren kam Musik mit deutschen Texten immer mehr an die Oberfläche. Lange wollte man gar nichts davon wissen. Verständlich, wenn man die vielen uninspirierte Katastrophen der neuen NDW beachtet. Seit geraumer Zeit sind deutsche Texte also wieder schwer angesagt. Rio Reiser dreht sich doch oft im Grabe rum, wenn er ein Grande des aktuellen muttersprachlichen Output hören würde. Klamauk ist nun mal nicht alles was deutsche Texten können, das haben schon die oft kritisierten Genre-Dinosaurier Fanta Vier gezeigt. Im deutschsprachigen Sprechgesangskreis gibt es 2008 nicht mehr nur noch die Achse Stuttgart-Hamburg-Heidelberg. Deutschrap erfreute sich in den letzten Jahren immer mehr an Fans. Obwohl so auch unglaublich viel Müll auftauschte, ist das nur als positiv zu deuten. R’n’B und Pop auf Deutsch gab es natürlich auch en Masse. Aber sind wir mal ehrlich: Bei den wenigen Guten die da dabei waren oder sind – wer geht den richtig tief und spottet etwas so Eigenständiges, dass es a) aus der Masse heraus sticht b) etwas nie vorher Existierendes bietet? Ja, die Indie-Schupsen rufen jetzt zu Recht Tocotronic oder Blumfeld (wie auch immer man das findet!). Ich sag natürlich: die grandiose Joy Denalane! Schön. Aber hatten wir schon mal Erykah Badu-Grazie, freigeistliches Spoken-Poetry oder eine Alternative, die nicht das bisher da gewesene wiedergeben will? Fleur Earth - die Kölnerin Künstlerin, und das ist die unausweichlich treffendste Umschreibung für sie, vermittelt irgendwie sofort, dass sie gar nicht der Paradegegenentwurf zu Popstars-R’n’b sein will.„Skurreal“, ihr Solominidebüt auf Melting Pot Music, ist zu allererst einmal eigenständig. Macht man sich das klar bzw. lässt auf das Experiment ihrer Kunst ein, versteht man auch irgendwann das große Potential hinter der abstrakt anrührenden Mauer. Natürlich spielt bei all der Präsens und großen Aura der Sängerin auch die musikalische Unterlegung eine große Rolle. Der augenblickliche „Cologne State of Art“ mit den Retrorasseln von Huss & Hodn, Twit One und The Ins schaffen die Grundlage aus jazzy, sample-verzwackten, mal eingängig-klaren, mal obskure fordernden Grooves aus dem Großbereich HipHop. Da hört man schon die Liebe für die Madlib-Entwürfe und das Pete Rock-Erbe. Die Alltagspoesie im kryptischen Gewand mit HipHop-Beton-Erdung. Darauf einlassen und eintauchen.

Peter Hagen

Tracks:

  • 01. Revolver
  • 02. Ausdruck
  • 03. Reinfall
  • 04. En Bouton
  • 05. Smile
  • 06. Easy Now
  • 07. Liebe=High
  • 08. Black Maki
  • 09. Away
  • 10. Hundesohn
  • 11. Peace
  • 12. Muse Bist

Releases:

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Interpret:
Fleur Earth
Label:
Melting Pot Music
Stil:
Hip Hop Pop Spoken Poetry

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