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Flying Lotus: Pattern & Grid World

Flying Lotus: Pattern & Grid World

Was ist 2010 denn schon noch revolutionär? Es sind sich viele Menschen im Internet und auch in der Fachpresse einig, dass Beatbastler der neusten Generation das sind und ganz schön viel auf den Kopf stellen. Dem hinzu kommt noch, dass alte Revoluzzer wie die Gebrüder Shocklee voller Bewunderung für Künstler wie Gonjasufi, Flying Lotus, Hudson Mohawke oder Robert Koch sind. War es doch die von den Brüdern Keith & Hank gegründete Bomb Squad, die eingefahrene Strukturen und einen Klangkosmos nach dem anderen auseinander nahm um etwas Neues zu schaffen. Sie waren es die Anfang der 1980er den brachialen Sound von Public Enemy entwarfen und die restlichen, durchaus kreativen und unterschiedlichen HipHop-Entwürfe jener Zeit, wie Schnullilutscher aussehen ließen. Die Energie von Freejazz knallte auf psychedelische Rockelemente und harte Funkbeats und der Bass wurde in eine neue Dimension gehoben. Zumindest für die ersten drei PE-Alben hatte die Erde eine musikalische Revolution. Werden die aktuellen Beatbastler diesem Vergleich und diesem Anspruch gerecht? Gerade der Amerikaner Steve Ellison alias Flying Lotus hat doch einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil er einfach anders ist und Mut bei seinen Experimenten zeigt. 2010 gab er das ja schon auf „Cosmogramma“ zum Besten. Tatsächlich hat er den Mut seiner Vorfahren (Familie Coltrane) in das pluralistische Heute gezogen und probiert sich in allen Gefilden um seinen ganz eigenen, nicht immer einfach konsumierbaren, tiefgehenden Sound zu kreiieren. Dabei sind nach wie vor Dilla und Dubstep zwei Eckpfeiler in dem multiplen Konstrukt das so gerne in den Welten von Techno und vor allem freiem Jazz wildert. Sein neues Werk, was ja schon an vielen Stellen sehnsüchtig erwartet wurde, hat den Tick mehr Electronica intus als der Vorgänger. Der junge Mann hat sich hörbar vermehrt mit Synthies beschäftigt und Science-Fiction-Soundtracks gehört. Dazu sage ich nur dass ein Revolution sicherlich von Zeit zu Zeit wichtig ist und man dafür auch couragierte Protagonisten braucht, aber niemand hat je behauptet dass es auf Dauer nicht anstrengend ist.

Peter Hagen

Veröffentlicht am

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