Foreign Exchange: Leave it all behind
Review:
The Foreign Exchange, das sind der holländische Beatschmied Nicolay und der amerikanischen Wortakrobat Phonte. Beide sind in HipHop-Kreisen wohl bekannt. Produzent Nicolay ist seit dem 2002 veröffentlichte „Connected“ FE-Debüt so etabliert, dass er in das Mutterland des HipHop übersiedelte und dort für Größen wie Boot Camp Clikk oder Masta Ace (respektiv E.M.C) ebenso wie für den Untergrund (Little Brother, Kenn Starr, Oddisee) Produktionen erstellt. Phonte ist mit seiner Crew Little Brother inzwischen eines der wichtigsten Aushängeschilder des US-Indie-HipHop, auch nach dem Ausstieg des allseits geschätzten Sample-Königs und Produzenten 9th Wonder sind sie immer noch hoch im Kurs in bestimmten Kreisen.
Der Legende nach haben sich der MC und der Beatschrauber über die Kommunikationsplattform auf Okayplayer kennen und schätzen gelernt. So entstand vor sechs Jahren, wie aus dem Nichts heraus, eines der besten Scheiben dieses Jahrgangs, die eine Verortung von modernem Soul im HipHop manifestierte. Ähnlich wie Kollege J.Rawls war es das perfekte Zusammenspiel von Sampling und live eingespielten Instrumentierungen die durch begnadete Soulstimmen und relaxtem Rap verschmolzen. Kritiker und Hardcore-Heads hatten eines gemeinsam: Sie hatten diese Platten nicht verstanden. „Connected“ wollte nie 100% superkorrekter HipHop sein.
Und was jetzt der Nachfolger noch mehr verdeutlicht, ist, dass es sich hier immer noch um einen sehr gelungenen Versuch moderne und zugleich zeitlose Soulmusic zu machen. Hier steht die musikalische Tiefe und die hochwertige Songwriterqualität im Fordergrund. Der Soundteppich den Nicolay hier entwirft, geht noch viel weiter als bei dem Vorgänger weg vom klassischen HipHop-Ansatz. Vielleicht ist er deswegen so gut gelungen, weil ja beiden tief im Rap-Geschäft stecken und „Leave it all behind“ als einen künstlerischen Gegenpol empfinden und sich deshalb so austoben können. Phonte agierte hier mehr als Songwriter und Komponist und steckte das Mic nur für ganz wenige Raps an. Die Sounds von Nicolay gehen viel mehr in Richtung moderner jazzy grooves mit teilweise fast housigen und loungigen Ansätzen. Und irgendwie wirkt das wie eine Befreiung für die beteiligten Künstler - und das kann ja nur ein gutes Zeichen für ein Album sein. Es wundert auch nicht, dass zentrale Geschmacksmacher wie DJ Spinna und Benji B. seit Wochen voll des Lobes von dieser Platte sind.
Unter der Mitarbeit von Marc Mac (4 Hero/London) und den Gesangseinlagen von bisher gänzlich unbekannten Künstlern Darrien Brockington, Yazarah und Muhsinah – ist dieses Album wieder etwas Besonderes geworden. Zurücklehnen und einsteigen.
Peter Hagen
Tracks:
- 01. Daykeeper
- 02. Take Off The Blues
- 03. All Or Nothing/Coming Home To You
- 04. I Wanna Know
- 05. House Of Cards
- 06. Sweeter Than You
- 07. Valediction
- 08. If She Breaks Your Heart
- 09. If This Is Love
- 10. Something To Behold
- 11. Leave It All Behind
Releases:
- Foreign Exchange: Leave It All Behind, Audio CD, VÖ: 10. Oktober 2008







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