Verschiedenes zusammen zu fügen und zu einem großen Ganzen verschmelzen zu lassen – das war und ist das große Talent des Gilles Peterson. Die Londoner Radio & DJ Ikone, der in den 80ern die Jazz & Soul Weekender reanimierte und den Begriff und die Musik des neuen Genre Acid Jazz in den 90er mit ankurbelte. Sein Radioshow „Worldwide“ gilt als Flagschiff der Eklektik, also jener Bewegung die einen künstlerischen Anspruch an die Musik erhebt und sie aus verschiedenen Epochen, respektiv Genres zu etwas Neuem zusammenführt.
Gilles Peterson bleibt dieser Philosophie treu und dokumentiert das auf seiner neuen Compilation „Brownwood Bubblers Vol.4“ um ein weiteres Mal. Dort wo die Mainstreamradios scheitern setzt er an und erhebt erzieherisch aber eben nicht arrogant oder rechthaberisch den Finger und weißt geschmackssicher wie immer auf großartige Musik hin, die ihre Berechtigung nur in Subkulturen und Nischenpunkten hat.
Auf der vierten Folge seine Reihe „Brownswood Blubblers“ geht er weiter seinen Weg und stellt Künstler und deren Musik vor, die man nicht im Musikfernsehen oder über die üblichen Medienkanäle wahrnehmen kann. Peterson unterscheidet bei der Auswahl weiterhin nicht an den Faktoren des Stiels oder des Genre sondern nur ob es gute, gehaltsvolle teilweise sogar zeitlose Musik ist.
So gibt es mit dem talentierte Crooner Mayer Hawthorne den Geheimtipp in Sachen Vintage-Soul, der seine Stärke aus dem Rückbezug auf den authentischen, ehrliche Soul der 60er Jahre zieht. Mit Souleance gibt es ein Downbeat-Projekt das sich als Hybrid zwischen Samba, HipHop und Jazz definiert. Da gibt es die New Yorker Kapelle El Michels Affair die bereits 2008 mit dem Sideprojekt Menahan Street Band für etwas Aufregung im Untergrund sorgte die hier ihre ganz eigene Jazzfunk-Coverversion des HipHop-Klassikers „Shimmy Shimmy Ya“ vom verstorbenen Wu-Tang-Clan-Rapper ODB mit einem Kinderchor im Background zum Besten geben. The Misled children & Odean Pope erkunden auf „Dadadun“ neue Jazzwelten während man mit „Iyo Djeli“ eine Blick in die weiten Sphären der afrikanischen Weltmusik wirft um anschließend ein verzückende futuristische Popnummer namens „Everything“ der Gruppe New Look vorzustellen. Diese begeistert vor allem durch den sensationellen Switch zwischen modernem R’n’B und zurückgelehnten elektronischen Klängen.
Man darf also Peterson für seinen Geschmack und seine Nase für großartige bisher gänzlich unbekannte Musik weiterhin vertrauen. Das zeigt sich am Ende dann noch mal wenn er mit „Sea Spray“ von Lone den offiziellen Nachfolger für die vergangenen Chillout-Meisterwerke von Nightmare on Wax, Massive Attack und Kruder & Dorfmeister ausruft.
Peter Hagen