Review:
Es gibt sie also doch: die Rückbesinnung auf wahrlich große musikalische Momente, die über Jahre unterbewusst in vielen Werken nachwirkten. Retro ist ja im HipHop und anderen Genres wieder sehr angesagt – aber davon handelt „La Revancha en Cumbia“ nicht. Hier geht es um ein zauberhaft anmutende Erinnerung an ein zehn Jahre altes Werk namens „La Revancha del tango“, das damals Tango und Electronica auf eine unvergleichliche Weise zusammenführte. Im Zuge der Post-Downbeat-Begeisterung und natürlich in den Nachwehen der Kruder & Dorfmeister-Eruptionen wurden Fusionen zwischen klassischen Klanggefällen und modernen Beats gerne mal als „Kaffeehausmusik“ abgetan, aber wahre Meisterleistungen gab es immer wieder. Heute ist das alles etwas durch Millionenauflagen von Lounge-Compilationen etwas verwässert geworden. Musikalische Perlen muss man deshalb nicht ignorieren – im Gegenteil. Man sollte sie sich unbedingt zulegen.
Was anfangs nur Untergrundsupporters und Jazz-Djs wie Matthew Herbert oder Gilles Peterson spielten, hatte sich zum Massenphänomen entwickelt und oft auch seine Intensität verloren. Der positive Effekt dabei war sicherlich, dass sich von kreativer Musik dieser Art, über die Jahre tatsächlich fast eine Million Exemplare verkauft hatten. Kein Zweifel, der Tango wurde modernisiert und in perfekt eine neue Hülle gesteckt. Gotan Project, dieser Name steht für ein Update von den traditionellen argentinischen Klängen, die durchaus auch im Club gespielt wurden. Die kreativen Pariser beschäftigten sich in den letzten Jahren mit den unterschiedlichsten Stilmixen zwischen Blues, Latin oder orientalischen Sounds – jedoch waren sie nie mehr so erfolgreich wie damals vor zehn Jahren.
Das Reload ihres Kassenschlagers durfte natürlich nicht einfach eine Remixsammlung sein. Die Scheibe sollte einen Zeitgeist inne halten, der aktuell und doch zugleich an die genialen, alten Zeiten anknüpfen sollte. Hier kommt nun der kleine, aber feine Cumbia-Hype ins Spiel. Bereits von Labels wie Bersa oder Chusma in modernisierter Form veröffentlicht und im Internet von unzähligen Produzenten zwischen den Millionen von erfrischenden Soundclouds digital gepusht. Wo es Quantic noch sehr traditionell mit dem Cumbia anging, gibt es unzählige Kreativzellen weltweit die den Cumbia nach vorne treiben. El hijo de la cumbia ist der wohl bisher bekannteste Vertreter der jüngsten Untergrund-Hype-Welle. Zehn von diesen jungen Wilden haben sich dem Gotan Project-Klassiker angenommen und schweisstreibenden, pumpende und pulsierende Updates bzw. Remixes erstellt. Dabei sollte man den Frikstailers Remix von „Triptico“ hervorheben, weil er mit ziemlicher Sicherheit massiv von den DJs pumpt werden und einiges an Hinterteilen bewegen wird. Dabei zielen nicht alle Stücke auf die Tanzfläche und sind ein sehr spannendes und wie zu erwartendes kreatives Stück Musik. So hört sich das was man damals als Downbeat schimpfte 2011 definitiv an. The Global heat is on. Jahreschartsanwärter.
Gotan Project “La Revancha en cumbia” erscheint am 21.10.2011 auf Ya Basta Records.
Text: Peter „Parker“ Hagen
Trackliste:
| 1. | Queremos Paz (King Coya Rmx) | |
| 2. | Época (Chancha Via Circuito Rmx) | |
| 3. | Chunga's Revenge (Axel Krygier Rmx) | |
| 4. | Triptico (Frikstailers Rmx) | |
| 5. | Santa Maria (Del Buen Ayre) (Chancha Via Circuito Rmx) | |
| 6. | Una Musica Brutal (El Hijo De La Cumbia Rmx) | |
| 7. | El Capitalismo Foráneo (Bomba Estéreo Rmx) | |
| 8. | Last Tango In Paris (Fauna Rmx) | |
| 9. | La Del Ruso (Tremor Rmx / Metabombo) | |
| 10. | Vuelvo Al Sur (El Remolon Rmx) |
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