Basement Jaxx tun es auch. Dance-Alben können poppig sein – ohne Seele zu verlieren, ja ganz zu verwässern. Ich behaupte mal, dass ein wesentlicher Teil der geschätzte 3 Millionen Plattenkäufer das auch so sehen – bzw. an Groove Armada schätzen. Zugegebener Massen haben auch Tom Findlay und Andy Cato hier und da mal Augenblicke, die näher an den Sugarbabes (,,See what you get”) als an Afrika Bambataa (,,Save my Soul”) sind. Jedoch haben sie seit 1997 immer eine sehr interessante und für die Dance-Kulture bereichernde Soundästhetik gehabt. In der einen Minute streicheln sie zärtlich eine Melodie durch sehr reduzierte Klangwelten um sofort wieder eine House-Bassline in den Dub-Himmel zu schicken. Alles sehr eingängig – versteht sich. Sie schnupperten zu gegebener Zeit am Big Beat (,,I see you Baby”), brachten Großhallen zum brodeln (,,If everybody look the same”) und waren musikalischer Teil der TV-Serie (Sex & the City), die alle Frauen lieben. Mit ,,Lovebox” verneigten sie sich vor HipHop und Rock – in einem sehr experimentellen, hoch gelobten Werk. Was auch bei dessen Vorgänger nicht anders war. Nebenbei sei noch erwähnt, dass Madonna ihre Musik liebt und auch ,,Music” von ihnen remixen hat lassen – dass ist zumindest im internationalen Popbiz sehr hoch anzusiedeln. So ist es 2007. GA braucht wieder neue Horizonte zum erschließen. Diesmal gibt es wieder eine bunte Mischung aus Dub, Ragga, Electro, House und Ambient. Gewohnt abwechslungsgewaltig, ideenreich und irgendwie immer noch very british mit einer Popaffinität wie man sie bei den beiden kennt und schätzt. Das auch noch Canti Staton, Tony Allen und ein paar andere illustriete Künstler vorbeigeschaut haben – ist schön, aber nicht wichtig für dieses Album.
Peter Hagen (Jazzriots)