Der Schock zuerst: „Uschi“, die so ein prima Sushi machen kann, steckt mir genauso quer im Hals wie dieser Klebreis mit Fischabfällen a la Fantasie.
Aber nach diesem tönernen Totalausfall im Sinne von „Resi, I hol di mit dem Traktor ab“ zeigt sich das reichhaltige (19 Songs) Spätwerk des Hans-Jürgen Buchner (er erreicht im Herbst das Rentenalter) als absolut gelungen.
Vielschichtig, aber mit lockerer Hand komponiert, arrangiert und produziert, mit einer leichten Melancholie und un-nervenden Ernsthaftigkeit durchzogen, gelingen Buchner und seiner Band „Haindling“ immer wieder geradezu magische Momente. Auch der geradlinige Beobachter ist er geblieben, der Keramikmeister aus Niederbayern, der „bei die Preissn“ in der Nähe von Berlin geboren wurde: Endlich hat mal einer ein Lied über das blödsinnige, hinten hochgezogene „Okäiiii“ gemacht, dieser linguistischen Klingelton-Variante.
Richtig großes Kino kommt auf, wenn der bodenständige Multi-Instrumentalist und Weltmusiker den Riemen auf die Publikums-Orgel
wirft: Ein Sample aus Publikumsgeräuschen und –chören, zusammen gemixt aus 80 Konzerten sorgt für echtes Gänsehaut-Feeling. Überhaupt, in Sachen Filmmusik macht dem Buchner eh so schnell keiner was vor, das ist nämlich sein „Leben nach dem töpfern“. Ein Grund dafür, dass man sieben Jahre auf die neue „Haindling“ warten musste. Dass mir das aber fei nicht mehr vorkommt, Herr Buchner!
Jo Neckermann