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Herwig Mitteregger: Fandango

Review:

So ist das mit den Künstlern: Wenn sie ihre Kreativität zügellos fließen lassen, dann bricht sie sich Bahn, rauscht durch Raum & Zeit. Ein Musiker folgt gerne seiner Inspiration, lässt sich von der Muse küssen oder schaut in die Zettelkästen mit Ideen. Am Ende eines solchen Prozesses steht ein Werk, aber immer nur eine Auswahl des eigentlichen Outputs, nur ein Teil des schönen Mosaiks, eben ein Fragment des Ichs.

Das ist für viele Kunstschaffende unbefriedigend und es wird freudig nachgeliefert. So auch bei Deutschrock-Haudegen Herwig Mitteregger, der nach langer Stille vor einem Jahr mit seinem tollen Album „Insolito“ wieder auftauchte. Nun also der nächste Wurf namens „Fandango“, diesmal komplett alleine von Multi-Instrumentalist Mitteregger gespielt, aufgenommen, produziert. Wahrlich jeder Ton stammt von ihm.

Und genau dann kommt der Punkt, an dem die zügellose Kreativität und das handwerkliche Können nicht zu einem gemeinsamen Ziel führen. Da fehlt der Austausch mit anderen Musikern, die kleinen Einflüsse von Kollegen oder ähnliches.

Hier ist eine tolle Textzeile wie "wenn du immer alles sein willst, bist du am Ende nichts", da ist eine grandiose U2-Referenz mit verzerrten Gitarren – aber das Drumherum passt nicht. Die Songs hören sich teilweise wie zusammengepresste Ideensammlungen an. Wenn Mitteregger herrlich bluesig wird wie Stoppok, dann wäre der Song „Frei“ ohne Drums stilvoller gewesen. Wenn sich „Kreise“ wunderbar schleppend um das Genre Trip Hop ziehen, warum dann kein trockener Beat statt Handclaps? Oder diese Experimente im Song „Sonntag“, der anfangs schön abgehangen und atmosphärisch daherkommt, bis plötzlich ein Coldplay-Gitarrenriff auftaucht, dann ein jazziges Klaviermotiv. Das tonale Desaster wird immerhin von Herwig selbst kommentiert: "Weiß der Himmel, was hier los ist." Natürlich meint er damit eine andere Situation und zieht daraus Konsequenzen: „Wenn alle nichts tun, muss ich aufstehen / wenn alle still stehen, muss ich losgehen“. Für solche klaren, griffigen Zeilen nimmt man musikalische Individualität und Impulsivität gerne in Kauf.

Natürlich gibt es auf „Fandango“ auch Highlights, richtig große Songs, authentische Mittereggers. Sie bilden den Rahmen, den Anfang und das Ende. Der Opener „Alaska“ ist ein lautes Statement aus schrägen E-Gitarren, krachigen Drums und einer lässig-dreckigen Stimme mit Hall. "Gott liest mir aus der Bibel vor" singt das „Unikum der deutschen Pop-Szene“ und man spürt wie die Adern anschwellen. Am Ende sind wir „Aufm Land“ und zu einer hinreißenden Klaviermelodie wird es ruhig, herbstlich, melancholisch. Man ist versöhnt mit eigensinnigen Künstlern und der Welt

Regina Sommerfeld

Releases:

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Interpret:
Herwig Mitteregger
Label:
Manoscrito Music / Edel Kultur
Stil:
Breakbeats Rock Pop

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