Die Ziehkinder von Produzenten-Legende Rick Rubin und derzeitigen Lieblinge sowohl der hippen als auch etablierten Musikpresse erfinden fast 40 Jahre nach bläserlastigen Langhaar-Combos wie Heaven und Chicago Transit Authority das Rad nicht neu – aber sie drehen kräftigst daran! Die sechs Neo-Hippies, in der Gegend um San Francisco angesiedelt, strahlen zwar die Innovationskraft einer 1971 Levis Bell Bottom aus, aber wo andere im Vintage-Hype auf dicke Hose machen, haben Howlin Rain wirklich was drin – Balls! Sperrige, garantiert Mainstreamradio-untaugliche Songs, die Gov’t Mule genauso gut anstehen würden wie Procol Harum oder den seligen Vanilla Fudge. Und mit Mastermind Ethan Miller hat die anarchische, eher „englisch“ klingende Combo einen Sänger am Start, der bei Steve Mariott und Atomic Rooster gut hingehört hat. Die unvermeidliche und doch so köstliche Hammond-B3-Orgel sowie Gitarrenfeedback in fuzziger 70er-Jahre-Tradidition sorgen dafür, dass der Spannungsbogen zwischen (mit chemischen Erfrischungen erzeugter?) Sphäre und (manchmal etwas bockigem) Groove nicht zusammenbricht. Eine der ganz spannenden Bands 2008, bitte anhören!
Jo Neckermann