Jetzt wird es futuristisch. Abgefahrene Drumpattern jagen das nächsten zwischen umherflirrenden Synthie und abgehackten Melodien. Die Science-Fiction-Sounds wabbern zwischen Dubstep-Basslines und trockenen Snares in einem Funkuniversum, in welches sich der aktuelle HipHop lange nicht mehr getraut hat. Hudson Mohawke, ein babyfaciges Bleichgesicht aus dem schottischen Glasgow hat mit seiner Art Beats in die Welt zu pusten den revolutionären Charakter von HipHop zurückgebracht. Klar, er schwimmt mit der Leftfield-Mischung aus Crunk, Electro und den oft undefinierbaren, irrwitzigen Beatsexperiementen in eine Großrichtung die HipHop gerade für sich wieder entdeckt hat. Die Black Eyed Peas zelebrieren dass ja aktuell auf ganz kalkulierte Weise. Tiefer geht das mutige Braveheart hier mit jedem Ton seines grandiosen Debüts „Butter“ auf Warp Music und gesellt sich damit locker zu den wichtigen Veröffentlichungen die die Dance-Szene von unten stark beeinflusst haben. Die kongenialen Mark Pitchard (Harmonic 313), Flying Lotus oder Prefuse 73 gehören allesamt zur Avantgarde der Soldaten die die Schnittmengen zwischen Bass Music, UK Garage, Dubstep, HipHop, Electro, House und Jungle ausdehnen und jeder für sich die Ansichten mancher Puristen aus den verschiedenen Lagern mehr uns mehr ändern. Die Zeiten stehen auf Hybrid. Bei aller Liebe für traditionelles Material – wenn die jungen Wilden solch krank-genialen Scheiß produzieren wird es niemals langweilig werden. Das hier vertretene „No one could ever“ gehört zu den derbsten Breakbeat-Bomben und rockenden Beats des Jahres. Schon das mächtige „Gluetooth“ zeigt zu was der junge Mann fähig ist. Das erhabene Synthie-Spiel mit Beatstrukturen die an Dilla und Black Milk erinnern wie auf „Rising 5“ dürften als weiterer Aufruf dafür gelten, diesen Künstler mit seiner Musik nicht links liegen zu lassen. Mit den Gästen Dam-Funk und Oliver Daysoul bekommt die Scheibe den nötigen Impuls sich für eine größere Gruppe als den reinen Beatnerds zuöffnen. Die damit verbundene Affinität zu den 80s („Tell me what you want from me“) steht der Sache sehr geschmeidig gegenüber. Dig this!
Peter Hagen