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Incise: Nobody S Story

Incise: Nobody S Story

Erinnert sich noch jemand an Prince Ali? Nicht den aus Berkeley, sondern den aus Toronto, der mit der “I Miss 94″-EP in der Online-Szene so viel Lob einfahren konnte. Das Geheimnis hinter dieser EP waren die wunderbaren und völlig zeitlosen Produktionen. Diese gingen alle auf die Kappe von einem gewissen DJ Incise, der zu diesem Zeitpunkt einen Bekanntheitsgrad nahe Null genoss. Daran hat sich bis zum heutigen Tag leider nicht allzu viel geändert. Dies hindert Incise jedoch nicht daran, sein erstes Album, “Nobody’s Story”, zu veröffentlichen.

Da das Album über das japanische Label Goon Trax erscheint, besteht das erste Hindernis in der Anschaffung dieses Werks. Leider ist Prince Ali hier kein einziges Mal vertreten, dafür jedoch eine ganze Palette Nonames, unter denen Nieve oder Poems schon als Größen hervorstechen – was mehr als bezeichnend sein sollte.

Nun jedoch zur Musik: die ist immer noch so, wie sie sein soll – smooth und soulig. Das Schöne an diesem Album ist, dass von der ersten bis zur letzten Sekunde der Wind genau so weht, wie man ihn gerne hätte. Und das, ohne langweilig zu werden. Okay, die Atmosphäre macht keine großen Sätze, hier wird durchgehend gechillt und dabei gute Laune aus den Boxen geblasen, doch das will auch gekonnt sein. Fast noch mehr als die Bomben-Instrumentals überraschen vielleicht die Wortakrobaten, die hier durchgehend solide bis sehr gute Leistungen abliefern und keinerzeit ein Bedürfnis nach bekannten Größen aufkommen lassen. Vor allem in “Scorpion Tail”, das auch sonst noch hervorzustechen weiß, überzeugt Need Not Worry mit gekonntem Story-Telling. Mit Intro und Outro sind zudem vier Instrumentals am Start, die das Geschehen einrahmen. Hier Kritik anzubringen, fällt äußerst schwer – sei es nun Poems mit einem dichten Streicher-Gewebe oder Muneshine mit “Quite Like It”, welches sehr an die Prince Ali-Ep erinnert, sei es “Strife”, das nur mit Gitarre auskommt oder das jazzige “True Greatness” mit Tunji aus LA: hier wird ungezwungener und eigenständiger Boom-Bap von Weltklasse betrieben.Zwischen Group Home, Looptroop und A Tribe Called Quest hin und her tänzelnd, klingt das Album nach der guten alten Zeit der 90′ziger ohne sich irgendwie anzubiedern.

Wann gab es zum letzten Mal ein Album, das von vorne bis hinten wirklich keinen einzigen langweiligen Track aufzuweisen hatte? Wann konnte Neo-Boom Bap zuletzt so überzeugen und zudem noch so kreativ klingen? Der perfekte Sound für unterwegs und daheim. Ein echter Geheimtipp !

Christian Koch

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