In den letzten zehn Jahren hat sich die deutsch-französische Combo Irie Revolte ein Ruf erspielt der beachtlich ist. Live sind sie auf den großen und kleinen Bühnen der Welt zu Hause und gern gesehene Gäste. Ihre Anhängerschaft wächst kontinuierlich und ihre Tourneen sind ausverkauft. Dazu kommt unweigerlich, dass sie authentisch sind und sich für die Belangen anderer einsetzen. Beim neuen Album zeigt sich der schmale Grat den die Band inzwischen bewältigen muss. Sie muss sich mit ihren sozial- und gesellschaftskritischen Texten treu bleiben und diese gleichzeitig für eine größere, breitere Masse an Publikum zugänglich machen. Ein schwieriges Unterfangen wenn man die Fans aus dem alternativen Lager kennt. Auf „Nouvement mondial“ finden sie den richtigen Weg für diesen Kompromiss. Sie haben moderne Komponenten, wie das im Dancehall beliebte Autotune, auf Songs wie „Antifaschist“ eingebaut und haben Mitsing-Refrains bebastelt, die an der Peinlichkeit grenzen – aber eben nur so auch den 13jährigen Antifa-Einsteiger der Lil’Jon-Generation erreichen. Neben etwas wässrigen Songs dieser Marke wie „Zeit ist Geld“ kommen sie jedoch mit 2/3 des Albums um die Ecke die es in sich tragen und als pures Dynamite verkauft werden dürfen. Dieser ansteckende Mix aus Ska, Hiphop und Reggae geht in die Beine und bürgt für eine ausgelassene Partystimmung. Irie Revolte kann man als „Fröhliche Aufständische“ übersetzten und ich finde dieser Name passt so sehr. Die wahre Präsenz ihrer Kunst offenbart sich in Stücken wie „One en a masse“ oder „Explosive“. Natürlich wird auch auf diesem Album nicht mit Kritik am Globalisierungsprozess („Aufstehn“) oder am System („Travailler“) gespart und genau das macht diese Band aus – sie gehen textlich dort hin wo es weh tut und sorgen für Zündstoff und regen zum um bzw. nachdenken an. Dass sie das auf einem kompromisslosen („Il est la“) oder kompromissvollen („Zeit ist Geld“) musikalischem Weg bestreiten ist nicht falsch, sondern empfehlenswert und mutig.
Peter Hagen