Ihr seid noch von euren letzten Festivalbesuchen elektrisiert? Ihr vermisst den kurzen Augenblick indem ihr in den Massen mithüpfte? Ihr begehrt immer noch nach dem Geruchsmix aus Schweiß, Dosenravioli, Marihuana und Bier? Euch kotzt der Alltag an? Die Krisenstimmung die von sämtlichen Politikerplätzen und Medienforen verfälscht dargestellt wird erdrückt euch? Die Negativstimmung kennt scheinbar kein Ende und fängt an auch euch mit Sorgen zu belangen? Dann kann eventuell Musik hier weiterhelfen und deshalb ist auch die erste Auskopplung aus dem kommenden, neuen Album von Irie Revoltes unsere Single der Woche. Die Heidelberger Musikgang ist in diesen Zeiten eine der positiv-ansteckenden und kritischen Stimmen auf die man jetzt schon eine ganze Weile warten musste. Im kreolischen Patois der Karibik heisst „Irie“ soviel wie frei, fröhlich und glücklich. So hat die Band schon im Namen die Attribute nach denen heutzutage jeder strebt doch in der gesellschaftlichen Falle sitzt. Ob das der böse Kapitalismus oder die globale Verantwortungslosigkeit und Ignoranz dran schuld sind, sei jedem selbst zu entscheiden. Es wurde einfach Zeit dass es jemand anspricht und in eine Form bringt, dass auch die Jugend es versteht. Denkanstöße gibt es auf „Travailler“ und „Zeit ist Geld“ zu genüge. Der explosive Mix aus Ska, Reggae, Dancehall, Rock und HipHop zieht das Ganze in einen musikalischen Kontext in dem sich Künstler wie Gentleman, Mono & Nikitaman oder Nosliw seit Jahren bewegen – nur dass hier poppige Kompromisse und eine gewissen Plattitüde etwas kleiner gehalten werden. Aber es ist jetzt, kurz vor dem Wahlen endlich soweit: Deutschland hat endlich Movement-Music – was hiesiger HipHop ja bekannt sehr vernachlässigt bzw. schon verloren hat.
Peter Hagen