Was wurde über das Schaffen und das Ableben des Ausnahmeproduzenten James Yancey noch nicht gesagt oder geschrieben? Als er am 10.02.06 in L.A. starb, überwarf man sich mit Lobeshymnen auf den Beatschmied, der soviel in seinem kurzen Leben beeinflusste. Heute ist jeder „schon immer derber Dilla-Fan“ gewesen. Wie auch immer. Ob man Slum Village seit Tag 1 pumpte oder „Welcome 2 Detroit“ für eines der revolutionärsten HipHop-Entwürfe hielte – Dilla wusste wie man mit Samples arbeitet, Beats schraubte und musikalische Strukturen einriss um neue Horizonte zu schaffen.
Immerhin kommt er nach seinem Tode zu seinen verdienten Ehren, die einst mit musikalischen Ergüsse für The Pharcyde oder A Tribe called Quest begannen. Der introvertierte Genius ist auch drei Jahre nach seinem frühen Tod immer noch sehr präsent und auch wenn er die Früchte seines hohen Arbeitspensums nicht mehr einfahren kann. So finden sich auf den Jetztzeit-Klassikern „The Renaissance“ (Q-Tip) und „Only Built 4 Nubian Linx II“ (Reakwon) immer noch Beats des Detroiters, die den Rest der großen Werken überschatten. Mit „Pay Jay“ hat er auch aktuell ein komplettes Album (mit freundlicher Unterstützung von Pete Rock und Karriem Riggins) im Rennen. Auch 2009 gibt es dank eines großen zurückgebliebenen Archives des Meisters genug dopen Sound zu entdecken.
So passt die schöne Zusammenstellung auf „Dillanthology Vol.3“ immer noch sehr gut ins aktuelle Geschehen und bringt einen Hauch der Magie des Beatfricklers kompakt zurück. „It’s like that“ oder „Pause“ noch nicht zu Genüge abgefeiert haben. Jaylib’s „The Red“ & „Raw shit“ (mit Kweli) gehören schon lange zum heiligen Gral der Backpacker und Indie-Banger. Neuere Songs wie „Baby“ oder „Reality Check“ sind Future-Classics und lassen leider nur erahnen wohin Dilla das alles noch hätte treiben können. Ein schöner, beseelter und tieftrauriger Abschluss bildet das Stück „So far to go“ mit Crooner D’Angelo und Common.
Wie auch die zwei Vorgänger ist die dritte Folge der Dillanthology-Reihe gut zusammengestellt. Ob das Fans noch brauchen, weil sie sowieso schon fast alles im Schrank haben, ist die andere Frage. Ob die Compilation HipHop-Fans brauchen, ist keine Frage – sondern ein Auftrag und Herzenangelenheit. R.I.P Dilla.
Peter Hagen