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J.Rocc: Some Cold Rock Stuf

J.Rocc: Some Cold Rock Stuf

Für die die ihn noch nicht kennen und schätzen: J.Rocc ist das inoffizielle Mitglied des legendären Producer/Mc-Teams Jaylib. Er ist Beatschmied, Beatdigger, Beatvirtuose und Beatjuggler der obersten Etage – sprich einer der wenigen großen HipHop-Deejays unserer Zeit (die auch wirklich noch cutten können und es auch machen!). Die Mixtapes des Kaliforniers waren immer Saisonhighlight für Freunde des unabhängigen HipHop sowie für Verfechter der alten Schule und derer Vorliebe für Breaks. J.Rocc ist nicht einfach so mit Babu von den Dilated Peoples befreundet – sie waren beiden Mitglieder der Word Famous Beat Junkies, die in den 90ern den X-Men das Leben schwer machten. J.Rocc ist nicht einfach so der Tour-DJ und Kumpel von Madlib – sie teilen beide den nerdigen Antrieb-Wahnsinn wenn es um das Suchen & Finden von Samplesquellen auf alten Platten geht. J.Rocc wurde nicht einfach so von Dilla und Peanut Butter Wolf geschätzt, sondern weil der ein wahrer Musikverrückter einer scheinbar aussterbenden Spezies ist.

Nun, nach all den Jahren im Spiel, hat er ein Album geschmiedet. Es handelt sich hier nicht um ein weiteres Mixtape mit obskuren Jazz, Rock & Funk-Breaks, die er mit seiner unglaublichen Begabung an den Plattentellern und an der MPC zusammengerockt hat – sondern um ein wirkliches Album. Auf 12 Tracks will sich J.Rocc von dem Status emanzipieren, dass er „nur“ der DJ ist.

„Rocchead’s Delight“ spinnt gleich die Symbiose des DJs und seiner Zerstückelei von Samples zu einem fulminanten Intro. Danach geht er es auf vier Tracks sehr gemach an und verwundert dadurch, dass er den instrumentalen HipHop-Tracks freien Lauf zu Entfaltung und Tiefe gibt – man fühlt sich an „Entroducting“-Zeiten von Shadow erinnert. Das ist alles sehr schön, jedoch wenig aufregend und wenn man ehrlich sein soll, braucht man so was nicht zum hundertsten Mal in den Crates.

Mit Track Nr.6 („Party“) springt der Funke der Begeisterung dann doch noch über. Hier wohnt der Funk und wird nicht mehr unterdrückt. Auf „Play this also“ merkt man seine Digger-Reise in Brasilien mit Madlib bevor der Tune eine Eigenenergie entwickelt die schließlich zum Highlight, zur Mitte und zum Monstrum des Album wird. Hier laufen alle Einflüsse des Djs zusammen. Boomende Basslines, Soundfragmente aus Latin, Jazz, Rock & viel Funk. Das in ihm immer noch und niemals ausstrebend der kleine B-Boy schlummert, zeigt das brachiale Funkbrett „too many clowns“. Daneben huldigt er auf sehr eindringliche und jazzige Weise seinen Helden Malcolm X während der ein Nas-Vocal mit einem offensichtlich Madlib-beeinflußten Beat umhüllt („Take me away“).

Resümierend muss man sagen, dass hier die komplette Emanzipation nicht gelungen ist, wie er sie sich vielleicht gewünscht hätte. Das ist alles immer noch sehr in seiner eigenen Welt zwischen B-Boy-Romantik, Beat-ologie, Old School-Affinität und Digger-Nerdtum anzusiedeln – wofür man ihn eigentlich nur lieben kann. Es bleibt jedoch zu bezweifeln, ob jetzt der Bay-Area-Nachwuchs an Rappern anrufen wird um bei ihm Beats zu bestellen. Aber das muss ja auch nicht sein – so lange er so eigenständiges Material veröffentlicht wie auf „Some cold rock stuff“.

Für CD-Käufer gibt es noch eine Bonus-CD ( „Mystery Disc“) auf der einer seiner unverwechselbaren Mix-Eskapaden zu hören sind. Es lohnt sich!

Peter Hagen

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