Review

Jakob Dylan: Seeing Things

Jakob Dylan: Seeing Things

Er hatte seine Chance. Einen Vater, der seinem Ruf als Folk-Ikone nicht mehr davoneilen kann (und inzwischen wohl auch nicht mehr will). Eine Band, die richtig gut abging, künstlerisch wie kommerziell. Hatte Aussehen und Stimme, all the king’s horses. Aber die Zeiten ändern sich, Plattenverträge laufen aus und „Then you better start swimmin’ or you’ll sink like a stone. For the times they are a-changin’. Das sang Papa Bob vor Jahrzehnten und Sohn Jakob tat wahrlich gut daran, auf die weisen Worte zu hören. Mit 38 Jahren hat er sich zum veritablen Singer/Songwriter entwickelt, so amerikanisch wie Tumbleweed und Trailerparks (nun ja, Tumbleweed kam ursprünglich aus Russland, wie auch ein Teil der Dylan’schen Vorfahren). Jakob Dylan sieht Dinge, bringt uns Songs aus der Zwielichtzone zwischen lähmender Furcht und ausgelassenem Optimismus, sparsam instrumentiert, intensiv intoniert. Futter fürs Kopf-Kino, Labsal für die Seele. Der Mann hatte seine Chance. Er hat sie genutzt…

Jo Neckermann

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