Musik für Stadtneurotiker, ja, so könnte man das nennen, was uns die New Yorkerin mit ihrer dreieinhalb-Oktaven-Stimme auf ihrem Erstlingsalbum anbietet. Leicht macht es Jamie Leonhart – Gospel- und Cabaretgestählt – sich und uns nicht: Kurt Weil trifft Kate Nash, Kammer-Jazz wird mit großem Gebläse, Glockenspiel und Mellotron gepimpt und was sich für gebildete amerikanische Ostküstenohren sharp & witty anhört, wirkt hierzulande gerne etwas zickig. Das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen: Mit „The Truth About Suffering“ liegt eines der großen Jazz/Pop-Alben des Jahres 2008 vor und Mrs. Leonhart hat zusammen mit ihrem Mr. Leonhart (Gatte, Co-Autor, musikalischer Direktor und Produzent, auch von Steely Dan) noch viel vor sich. Sounds für die blaue Stunde und einen kultivierten Drink, das braucht die Welt immer. Ach ja, vielleicht kommt ja bald mal Ally McBeal 2.0 in die Glotze, die Leonharts wären ein heißer Tipp für den Soundtrack…
Jo Neckermann