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Jan Delay: Mercedes-Dance

Jan Delay: Mercedes-Dance

Die Marschrichtung stellt Herr Jan Eisfeldt schon beim ersten hören der ersten Auskopplung “Klar” fest: “Hier soll in erster Linie der Kopf ausgeschaltet und der Arsch und die Beine eingeschaltet werden” – erst also die Party und dann die Sozial bzw. Gesellschaftskritik? Warum eigentlich nicht. Analog dazu kann man doch mal ganz forsch in den Raum die Frage werfen, ob man bei Public Enemy 1988 erst von dem unbändigen, aggressiven und Energie beladenen Beats der Bomb Squad gepackt wurde, oder von den Verschwörungstheorien des Über-MCs Chuck D.?

Und überhaupt, warum eigentlich nicht an grossartigen (HipHop)-Klassikern anlehnen, wenn man etwas Neues schaffen will? Immerhin packt der Mann dieses neue Projekt an, der uns vor drei Jahren mit “Searching for Soul Rebels” so positiv überrascht hat, wie seit Max Herre (Freundeskreis) nur noch Wenige. Sein Reggae-Album mit Revolutionscharakter das fast schon einer, wenn auch oft mit Humor verbundene, musikalischen Reunion der “R.A.F meets Bob Marley” im Pop-Universum glich. Dieses Charisma behielte sich Delay-Lama (wie er sich auch gerne nennt) bei. Auf “Mercedes-Dance” gibt es mit “Kartoffel” und “Kirchturmkandidaten” auch zwei kritische Songs, die aber in einer sehr angenehmen Leichtigkeit überzeugen zu wissen – und dass, meine Aggro-Berlin-Jünger gebt fein acht: Mit Tiefgang. Hört sich an wie ein Paradoxon? Mit Nichten. Jan Delay ist das “Mastermind”. Er bringt die Sachen zusammen, die man vielleicht so nicht auf der Rechnung hatte.

Der Track “Plastik” ist ganz grosser Sport. Das Stück rockt mit Elektrofunk der 80er und Lyrics die allen aus dem Herz sprechen, die zum Tanzen, nicht um sich zu zeigen in die Clubs noch gehen. Ein Song für alle, die Feiern von “Possen” noch unterscheiden können. Bei dem rockenden “Ahh geht gar nicht” ist Delay “Conscious” obwohl er das offensichtlich nicht will – die grossen HipHop-Lyricists wie Kweli, Nas, Blackthought oder Q-Tip schweben hier irgendwie mit ihrem Geist (und vielleicht Einfluss) mit. Der Zeigefinger ist da, ohne ihn wirklich auf Probleme (nur der heutigen Jugend?) direkt (zu) richten. Deep und funky. Das Cover “Für immer und Dich” vom TonSteineScherben-Frontmann Rio Reiser baut Delay zu einem ganz eigenen Kosmos – und dass macht ja eine richtige Coverversion aus. Seine Affinität für deutschsprachige Songwriter – deswegen auch der Gastauftritt von Udo Lindenberg auf “Im Arsch” – hört man so deutlich raus für seine ganze Offenheit gegenüber Musik die einfach gut und vor allem zeitlos ist. Soundtechnisch waren für das Album seine langjährigen Weggefährten Matthias Arfmann und Tropf zuständig. Hier gibt es auf 11 Songs viel Rock, Soull, Disco, Funk und auch Elemente von Jazz, Electro und HipHop. Was man so in der nationalen Presse lesen muss, dass Jan Delay jetzt eine reine Funk-Platte veröffentlicht hat – kann ich nur mit Kopfschütteln erwidern. Hier ist soviel mehr drin als “nur” Funk.

Und wie er es mit seiner sehr markanten, teils nervigen Stimme schon im Intro beteuert: ” Ich bring ihnen Platten die etwas bedeuten, die euch ein Leben lang begleiten wie ein guter Freund”. Und so ist es.

Peter Hagen / Jazzriots

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