Können gute Alben nerven? Ja, und manchmal müssen sie es sogar! Erstmal nervt mich „Hardships!“, weil die Schublade klemmt, in die man die Musik rein tun könnte. „… Gospel- und Soul-Tradition, die sie zu einer Art skandinavischen Variante weiter entwickelt: Nordic Soul“ meinte ein Kollege.
Nö, hör ich eigentlich nicht. Obwohl, Namen wie Kate Bush, Grace Jones, Nina Simone oder Missy Elliott werden von der Schwedin als „Freunde und Inspiration“ bezeichnet. Aber die Strukturen auf Frau Wilsons zweitem Werk sind viel zu verschachtelt, zu europäisch, zu white, um als irgendein Soul-Derivat wahrgenommen zu werden. Zum zweiten nervt mich, dass sich bei jedem Anhören (und man kann das hervorragende Album „Hardships!“ gar nicht oft genug hören) mir der despektierliche Gedanke in den Kopf drängt:„Intellektuelle Lady Gaga für Waldorfschüler!“ Trotz der Parallelen – Klavier, Theater-Stimme, tanzbare Grooves – wird Jenny Wilson mit ihrer gleichermaßen eingängigen wie mysteriösen Musik allerdings nie massenkompatibel werden. Schade eigentlich, aber das ist gut so. Das klingt gegensätzlich, wie manches in dieser Rezi? Dann passt es ja ausgezeichnet zu diesem außergewöhnlichen Album einer außergewöhnlichen Frau!
Jo Neckermann