Wieder mal ein neues Album von einem Mann, der seit fast 40 Jahren tot ist.
Wie soll der Rezensent das bewerten? Als ein etwa ein Jahrzehnt jüngerer Zeitgenosse Hendrix’, der damals 67/68 schier nicht fassen konnte, was der schwarze Mann da auf seiner Stratocaster anstellte? Und der kurz danach von dem ganzen Hippiefuck mit freier Liebe, Stirnbändern und Endlos-Soli angepisst war. Oder als gemäßigt moderner Musik-Konsument, der sich zwischen Raconteurs, Foo Fighters und Ann Clark nicht so richtig entscheiden kann?
Dass von den 12 Songs auf „Valleys Of Neptune“ gerade mal vier als „echt neu“ angesehen werden können, interessiert nur Altfreaks und audiophile Nachlassverwalter. Dass Hendrix sich gerade in der Transitions-Phase von Single-orientierten Songstrukturen zum kosmischen Gedaddel befand, ist deutlich zu hören. Ebenso, dass er ohne Zweifel der beste Gitarrist in der damaligen U-Musik-Szene war. Technisch nicht zu vergleichen mit heutigen Sport-Gitarristen wie Vai oder Satriani, aber ob deren Einfluss noch in vierzig Jahren auf irgendwelchen dann aktuellen Produktionen zu hören ist, bleibt abzuwarten. Mir jedenfalls wird es nicht mehr zu Ohren kommen.
Genauso wenig, wie wir je hören werden, was der olle Hendrix zu diesem durchaus nicht unsympathischen, aber auch nicht sensationellen Konglomerat aus Studio-Outtakes und Rehearsals gemeint hätte. Vielleicht: „Mann, das waren wilde Zeiten damals! Aber hör’ dir mal an, was ich da auf dem iPod habe…“
Jo Neckermann