Also, wenn ich jetzt sagen würde: Das ist Studentenmusik für Schlaffis, wäre das natürlich Käse! Ich würde damit unrecht tun: den Studenten, weil manche durchaus auch was anderes hören. Dem Künstler, weil der ja als Borussia Dortmund-Fan per se gar kein Schlaffi sein kann. Den Schlaffis, weil die im Zweifel eine Weinerlichkeits-Hymne der Beatles (Style) oder der Münchner Freiheit (No-no) vorziehen würden. Also tu ich jetzt mal eben nicht „Alles
negieren“: Der Jona Steinbach macht auf seinem nunmehr dritten Werk ganz passable Musik für sensible junge Mittzwanziger, die bei attraktiven jungen Frauen (im Bett) landen wollen. Der Soundtrack für die urbane Frühlingsliebe, sozusagen. Das Ganze tut er vorwiegend mit sich selbst, mal attariesque minimalistisch, mal mit computer-generiertem Waldhorn-Gebläse, manchmal mit Streichern, fast immer mit der typischen Singer/Songwriter-Klampfe. Dass mich seine Stimme nervt, dafür kann er ja nix – und die Texte sind mir auch zu schlau. Auch die von manchen Kollegen postulierte Opulenz von „Alles negieren“ vermag sich mir nicht zu erschließen. Alles in allem ist Jona Steinbach in meiner Musikwelt so deplatziert wie Gisbert von Knyphausen auf einem Sommerfest der Bandidos.
Jo Neckermann