Review:
BBC-Ikone und Radio-DJ-Legende John Peel galt bis zu seinem Tode als der Mann, der Trends nicht aufspürte und ausbaute, sondern sich prinzipiell nur guter Musik widmete. Diesen Antrieb hatte er sich bis zum Ende erhalten. Er konnte immer Alternativen bieten. Auch wenn es bei Peel eher um Musik rund um das Genre Rock ging, wollte er sich nie damit zufrieden geben, dass ein Genre stagniert. So suchte und fand er ständig neue, großartige Musik und feuerte sie unter das Volk. Die Parallelen zu dem etwas jüngeren Kollege Gilles Peterson sind groß. Dieser war einer der wichtigen Initiatoren die Jazz zurück in den Gehörgang und in das Gedächtnis der Menschen spülte und nicht nur behauptete, dass Jazz auch Tanzmusik ist.
Ideologisch verordnet sich Peterson als „Eklektiker“. Er sucht also spannende Musik aus allen Genres – bevorzugt Sounds die in einer gewissen Beziehung zu Jazz stehen. Seine „Worldwide“ – Radioshow ist zum Synonym für die Offenheit geworden. Der Name Peterson wurde dadurch in einer gewissen Weise zum Sprachrohr einer Szene, die es an sich nicht gibt aber trotzdem weltweit in einem Zirkel an Aktivisten wie Jazzanova in Berlin, Rainer Trüby in Freiburg, Mad Mats in Stockholm, Eddy Ranich in Zagreb, Okino-Brüder in Kyoto/Tokio, Intosomthin’ Crew in München, Joe90 in Bristol etc. verortet wird. Bis der augenblickiche Hype um Deep House und Minimal und die Dominanz dieser Clubsounds Überhand nahm, waren gerade Mitte/Ende der 90er Jahre die Begriffe NuJazz, Future Funk und Affines geboren. Konnte das wirklich jemand damals schon einordnen – wohl nicht. Am Ende waren es Freistil-Abende an denen Jazz, Soul, Funk, Brasil, Latin zu HipHop, House und Detroit Techno nicht konträr waren.
Bei den meisten DJs gibt es das heute nicht mehr. Die Musik die aus einer Fusion lebt gibt es immer noch, wenn auch nicht mehr so präsent. Verlass ist das immer noch auf Tastemaker Peterson. Der Engländer Plattennerd und Radioguru unterhält seit einigen Jahren sein neues Label Brownswood Records. Auf seinen Compilations macht er auf Musik aufmerksam, die er unter anderem in seinen Shows und auf seinen Gigs supportet. Die Spannbreite von Folk über Electro zu HipHop könnte nicht größer sein – und sind todsicher immer einige Entdeckungen wert. Was sich bereits mit dem Debüt „The Dreamer“ 2007 herausstellt, ist dass der Jazzsänger Jose James keine Perle sondern eine große Schatztruhe voller Talent und Potential ist. Kaum wurde das Debüt allerorts abgefeiert fing die eklektische Szene (die es ja eigentlich so nicht gibt) Kooperationen mit diesem Ausnahmetalent zu starten. Das zog mit sich, dass Herr James zwei Jahre lang auf der ganzen Welt unterwegs war und überall zum musizieren Halt gemacht hat. Das Ergebnis „Blackmagic“ ist deshalb erstaunlich homogen und wirklich kein zusammengenähter Flickenteppich.
Dort wo auf seinem ersten Album noch Jazz, Soul und HipHop verschmolzen hat sich der junge Amerikaner nach allen Seiten hin geöffnet und seine Stimme jenen in die Hand gegeben, die für Qualität und Fingerspitzengefühl stehen. Imponierend war schon sein Gastbeitrag auf Jazzanova’s „Of all the things“. Was dann zwischen Berlin, Barcelona, New York, Amsterdam und Sao Paulo weitergesponnen wurde, zeigt einen weltoffen Künstler der durchaus seine Stärken nicht verliert, indem er sich ganz neuen Sounds öffnet. Dabei überraschen gerade die Zusammenarbeiten mit dem Beatfrickler-Wunderkind Flying Lotus damit, dass sie eben nicht so progressiv wie angenommen ausgefallen sind. So sind Tracks wie „Made for love“ viel markanter wie sie den Spacefunk einer knackigen Sa-Ra Creative Partners-Produktion imitieren. Bei „Touch“ oder „The Greater Good“ sowie das von dem Japaner Mitsu produzierten „Promise in Love“ gibt es den laid-back Jazz-Groove der hier und da gerne die Spielerei von Brasil einatmet oder den klassischen Jazzfunk mit einer ordentlichen Portion Soul zelebriert. Das der geheimnisvolle Detroiter Produzent Moodyman die Komponenten Techno auf „Detroit Loveletter“ komplett aussen vorließ und die seine zweite Hauptquelle Jazz und Funk hier präsentiert, stört kaum jemand. Das Ergebnis ist grandios und riecht eigentlich förmlich nach einem deepen Remixbearbeitungen. Kann man nur hoffen, dass Herr Peterson dafür Burial, Ame, Carl Craig oder 4 Hero angerufen hat. Was für ein Album! Hier kann man ohne Zweifel von dem ersten Highlight des Jahres 2010 sprechen.
Peter Hagen
Trackliste:
| 1. | Code | |
| 2. | Touch | |
| 3. | Lay You Down | |
| 4. | Promise In Love | |
| 5. | Warrior | |
| 6. | Made For Love | |
| 7. | Save Your Love For Me | |
| 8. | The Greater Good | |
| 9. | Blackmagic | |
| 10. | Detroit Loveletter | |
| 11. | Love Conversation | |
| 12. | Beauty | |
| 13. | No Tellin' |
Amazon CD
Der live/club meldet sich zur�ck in 2010….
Michael R�tten & Jan Hagenk�tter present:
JOS� JAMES Blackmagic WorldTour 2010
featuring Jordana De Lovely (NYC)
Donnerstag, 11.3.10, 20h, Sinkkasten Frankfurt