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Joy Denalane: Born & Raised

Joy Denalane: Born & Raised

Die Berlinerin Joy Denalane betritt mit ihrer neuen Platte ,,Born & Raised” eine Terrain, dass in Deutschland bisher niemand betreten hat: Zeitloser Soul.

Man wird auf den 15 Songs in einen Bann gezogen, den vor ihr wenige Künstler aus und in Deutschland erreicht haben. Vielleicht sogar die Post-Motown-Platte überhaupt. Das ist keine gewagte Lobpreisung. Was Joy hier in Kooperation (Schreiben & Produzieren) mit ihrem Ehemann Max Herre (Freundeskreis) in den heiligen Studiohallen von Philadephia (perfektionistisch) entworfen hat, braucht keine Vergleich mit internationalen (HipHop)-Souldiven wie etwas Mary J. Blidge scheuen. Das ist er imponierende, erste Eindruck ihres neuen Albums “Born & Raised”.

Sie entwirft einen unglaublich eigenständigen, so sehr beseelten Kosmos auf dem “Mamani”-Nachfolger, dass man nicht nur von einer Hommage an die Soulmusik der letzten drei Dekaden denken darf. Gleich zu Beginn verbindet sie die Intensivität der Liga vom Schlage Wonder/Gaye/Mayfield mit der Erdigkeit eines Conscious-Rap-Tracks. Die Wurzeln zum HipHop verschwinden jedoch nie wirklich von der Soundlandkarte. Dafür steht besonders dder Track ,,Heaven or Hell”, ein Wutang-Klassiker, der auf einem Sample von Sly Johnson’s ,,Could I be falling in Love” basiert. Hier traten 1995 schon mal HipHop und Soul auf einer ganz eigenen Ebene zusammen und verschmolzen. Deswegen kann man es ruhig Doppelcover nennen was Joy daraus macht. Der Bezug zu beiden Welten gehört zu ihrer Musik. Und wie man hören kann, geht sie respektvoll und gekonnt damit um, sie so auch zu präsentieren.

Die Varianten ihres Könnens werden eindrucksvoll ausgespielt. ,,Soweto 76-06″ ist ein Deepfunk-Tune der mit einem Auge genauso Fela Kuti und seinem Afrobeat der 70er Jahre zuzwinkert wie dem Energiebündel des Funk-Revivals, Sharon Jones und ihren Dap-Kings. ,,7 years Itch” liegt in einer Gänsehaut-Liga mit 70s Soul-Ikonen Candi Staton oder Gladys Knights, wobei ,,Sometimes Love” alles in die Taschen steckt. ,,Start over” gibt dann noch mal die Liebe zum traditionellen Gospel preis.

,,Let go” (auch die erste offizielle Single) geht dann doch mehr Richtung (R’n'B)-Tanzfläche und steht sehr schön für alles was Joy ist:

Die Tiefe des Souls, der Kompromiss zu Pop, die Wurzel von HipHop, der Glanz von Disco und die Energie von Funk. Kein Zweifel: Heissester Anwärter auf den Titel ,,Album of the year” – in jeglicher Hinsicht.

Peter Hagen / Jazzriots

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