Man ist es fast etwas müde, die nichtfachkundige Presse zu kritisieren, wenn sie über die Berliner HipHop-Combo K.I.Z berichten. Aber es ist immer wieder erstaunlich wie viele so genannten Journalisten, Genrekenner und Musikexperten, sich mit dem Thema „K.I.Z“ beschäftigen und überhaupt nicht verstehen was Nico, Maxim, Tarek & DJ Craft eigentlich wollen.
Eindeutig ist es, dass ein Großteil der Hörer von K.I.Z deren Botschaft falsch deutet. Raum für solche Fehlinterpretationen lassen die Rapkünstler aus der Hauptstadt genug. Gleichzeitig stellt genau das ihre kreative Einzigartigkeit da, die ihren Status in der HipHop-Szene und auch darüber hinaus seit 2005 manifestiert. Dass man ihnen das oft zum Vorwurf macht und ihnen Sexismus, Verantwortungslosigkeit und Irrsinn unterstellt, zeigt nur dass von Vielen die Kunst des kalkulierten Wahnsinns nicht verstanden wurde.
Wie auch schon auf ihrem allseits bekannten Vorgängeralbum „Hahnenkampf“ geizen sie nicht mit brisanten Inhalten und kokettieren mit ihrer ganz speziellen Art der Provokation. Genau dieser beißende Sarkasmus in humoristischer Verpackung ist nicht jedermanns Sache, scheinbar jedoch genau die Stimme der Generation die zwischen Flatrate-Saufen, Konsolenwelt und Hartz IV pendelt. Sind Kinder oder Rap der Spiegel der Gesellschaft? In welcher Wechselbeziehung steht die Mehrzahl der heutigen Jugend und die Gesellschaft wirklich? K.I.Z haben da einiges an Geschichten darüber zu bieten.
Gesellschaftskritik hörte sich bisher im HipHop, wenn überhaupt vernehmbar, anders an. Advanced Chemistry und Freundeskreis waren früher und waren auch wichtig. 2009 ist die Zeit von K.I.Z. Niemand bringt die pluralistische Gegenwart und ihre verquerten Vorstellungen von Moral besser auf den Punkt als diese Jungs aus Berlin.
Wenn eine große deutsche Tageszeitung jetzt fragt, „ob man sich wirklich Sorgen um die Jugend von Heute machen muss, wenn man die K.I.Z-Texte hört“, dann muss ich dagegen stellen, dass es Gott sei Dank diese Jungs und ihr Talent gibt. Sei von dieser Stelle noch mal gesagt: HipHop macht die Kids nicht gewaltbereiter, alkoholisiert oder verwirrter – das macht die Gesellschaft.
Egal wie man zu den zeitgenössisch-angepassten, elektronischen Beats stehen mag, der Unterhaltungswert auf „Sexismus gegen Rechts“ ist extrem hoch. Intelligente Umsetzung des Themas Jörg Haiders auf „Straight outta Kärnten“ sucht im Deutschrap seinesgleichen vergeblich wie auch „Selbstjustiz“. Das grandiose „Rauer Wind“ fordert höflich Verständnis für die armen oberen 10.000 die durch die Wirtschaftskrise viel Geld verloren haben. „Ringelpiez mit Anscheißen“ ist vielleicht die derbste Persiflage auf einen weichgespülten R’n’B-Plastikpop-Track wie ihn die Amerikaner so gerne hören.
K.I.Z sind Jugendliche und sprechen auch so wie Jugendliche. Gossesprache hin oder her. Wenn man es nicht verträgt, kann man ja sich gegen dieses Album entscheiden. Das wäre jedoch sehr schade, weil K.I.Z drücken Deutschland und Rap 2009 ihren Stempel auf.
Peter Hagen
…mag sein, dass k.i.z. die von euch gehörte “botschaft” in ihrer musik und in ihren texten rüberbringen und vielleicht ist dies auch der Stempel “rap aus deutschland 2009″, aber mein problem damit ist:
sie können nicht rappen.
mag sein, dass “style 2009″ heisst, keinen style zu haben oder darauf zu scheisssen, aber aa-bb kann ich mir 2009 nicht mehr geben, gossesprache hin oder her.
ich kann dazu sagen, dass ich die Jungs schon Live auf der Bühne gesehen habe und durchaus finde dass sie richtig gut rappen können. Style ist natürlich subjektiv und kann nicht jedem gefallen…eins ist jedoch sicher: Sie sind Rap Deutschlands Stimme 2009….da wird man wohl nicht daran rütteln können…