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Kamp & Whizz: Versager ohne Zukunft

Kamp & Whizz: Versager ohne Zukunft

Gibt es so einen massiven Mangel an guten Rapalben aus Deutschland, dass man es ein österreichisches Projekt so in den Vordergrund spielen muss und in der Juice zum Album des Monats wurde? Drehen die Juice-Redakteure jetzt völlig durch? Diese und andere Reaktionen konnte man im Netz und auch unter anderen Kollegen der schreibenden Zunft hören. Die Verwunderung war sehr groß. Einzig Daniel Shaked, Macher des alpenländischen HipHop-Mags „The Message“ war nicht verwundert. Immerhin supportet er seit Jahren das Talent des Lokalhelden Kamp One und wusste von dessen lyrischen Fähigkeiten. Ausserhalb von Österreich ist der 27jährige Rapper schlicht nicht mehr als ein Geheimtipp. Props muss man da schon an die Juice-Kollegen dafür schicken, diesem Album soviel Aufmerksamkeit zu schenken. Was wäre denn HipHop ohne solche Momente? Ohne eine Kapitalismus u.- Industry-Hater-Diskussion loszutreten, gibt und gab es Strukturen, die vor allem den Medien auferlegt sind und von den USA übernommen wurden und solche Momente im Keim ersticken bzw. keine Chance geben, weil sie kommerziell nicht relevant sind. „Versager ohne Zukunft“ ist definitiv eine Scheibe die man hören sollte genau weil sie anders und eigenständig ist. Die positive Überraschung ist famos. Der Wiener Kamp rappt hier in einem selten gehörten Sarkasmus und der Gabe über sich selbst lachen zu können. So schwankt er zwischen Zweckoptimismus und einer selbst zerstörerisch anmutenden „I don’t give a fuck“- Mentalität auf einen Unterhaltungsfaktor, den man mehr als gut bezeichnen darf. Seine autobiografischen Erzählungen um das alkoholisierte Partyleben, die Nachbarschaft, die Liebe und überhaupt die „Last des Lebens“ bekommen vom Produzenten Whizz einen Klangteppich unterlegt, der die Samples soulful und altmodisch hält. Eigentlich ist hier nur verwunderlich, dass er neun Jahre nach seinen Anfangserfolgen auf 12inch erst jetzt sein Debütalbum veröffentlicht. Also Haters: listen first. Kulturgut.

Peter Hagen

Veröffentlicht am

7 Kommentare

  1. Den Satz vervollständigen: …was deutschsprachigen Rap angeht!

    Und dann möchte ich den Kommentar von Mombe unterstreichen!

  2. ICh war sehr sehr verwundert über die Juice-Nachricht, dass das die Platte des Monats sein soll. Nach langem reinhören, finde ich sie auch sehr dope. Das Afrob-Album hat mich enttäuscht. Leider die falschen Beats für so einen guten Rapper. Was fandet ihr an deutschrap-platten gut 2009?

  3. Freut mich ja zu hören, dass die Juice solche Platten würdigt!

    Generell bin ich dieses Jahr in einigen Punkten ziemlich d’accord mit dem Mainstream, wie ich annehme:
    Huss & Hodn haben mich auch dieses Jahr wieder überzeugt, wie vor zwei Jahren, (in meinen Augen sogar deutlich besser als noch bei ihrem ersten Plattenrelease), Morlockk & Hiob haben ein unglaublich stimmiges einmaliges düsteres Album abgeliefert, (auch hier ein Sprung nach vorne).
    Definitiv das Comeback des Jahres, neben Kamp, hatte O-Flow. Seine EP habe ich rauf und runter gehört und mich rauf und runter geärgert, dass das Ding nicht auf Platte erschien. Nun gut, wenigstens etwas zum unterwegs genießen.
    Jetzt bin ich noch gespannt wie das neue Sichtbeton Album gefällt, Donatos Angst habe ich noch nicht gehört. Fiva konnte mich dieses Jahr nur mit einzelnen Titeln richtig flashen, Too Strong gar nicht.
    Ein heimlicher Favourite, was jedoch eigentlich nicht wirklich Rap ist, jedoch so positiv und kitschig, aber mit so viel Hip-Hop-Erfahrung,…was mich oft gut zu einem Lachen in der Seel einlud, war das Kaas Album tafkaaz.

    Über Top 5 Listen was GermanReleases und InternationalReleases angeht, mache ich mir noch Gedanken! Das war jetzt nur mal QuicknDirty.

    …je mehr ich jedoch nachdenke, desto mehr fällt mir ein. Nur sortieren muss man das noch. Denn die ganzen Releases um das alte Funkviertel, die ganzen neuen Produzenten TwitOne, Suff Daddy, etc., auch die HipHopBeats beeinflusste FleurEarth,…und ein Purkwa Album kommt auch noch.

    Und dann noch die englischsprachige Seite…
    So long, Mister Trugschluss

  4. Keine Frage, die Frau habe ich schon seit ihrem ersten Album in meinem Herzen. Und mit Kopfhörer hat sie sich auch definitiv nochmal weiterentwickelt. Spiegelschrift ein Klassiker, bei Kopfhörer hat sie sich gefunden. Das dritte Album geht in eine Richtung, die mir nicht so gefällt. Ihre Nähe zu Flip tat ihr in meinen Augen nicht so gut. Oder mit fehlt Radrum einfach. Aber dennoch: mit “Immernoch” und “Süd sehen” trifft sie mich wieder genau da, wo sie früher schon meine Seele berührte. Nur in der Gesamtlänge konnte sie mich dieses Mal nicht überzeugen.
    Übrigens: Für meinen Geschmack eine Entwicklung wie bei so vielen Bands. Das erste Album ist ein Klassiker, das zweite das Beste und danach geht es entweder in eine Richtung, die mir nicht mehr gefällt, oder sie bleiben ihrem eigenen individuellen treu. Das hat ein paar Bands so getroffen: Texta, Blumentopf, Looptroop, etc. Aber es gibt eben auch andere, die immer noch das machen, was ich liebe. Und eine Ausnahme gibt es definitiv, die nur einen Klassiker gemacht haben: Massive Töne. Hier war der Abfall leider sehr rasant.

  5. Ich fand die Massiven waren immer für ein paar große Songs gut. Leider waren auch oft wirklich langweilige und uninspirierte Songs dabei. Vielleicht wäre das bei FK auch passiert, wenn sie nicht so wenige Releases gehabt hätten. Die neue von Max Herre, wenn auch kein HipHop finde ich ganz interessant. Gute Texte, Positivity. Im Herzen ist Max eigentlich ein Native Tounge. Fiva MC war auf Spiegelschrift die Cora nach der alle gerufen haben.

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