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Keb Darge: Digs for P&P Records

Keb Darge: Digs for P&P Records

Es werden ja einige Puristen sofort losbrüllen, wenn sie das hier lesen. Keb Darge, der DeepFunk-Plattenprophet der internationalen Diggerfamilie, hat für Suss’d Records, wie auch schon sein Kollege Kenny Dope in den Archiven von P&P Records wühlen dürfen und unter all dem geschmackvollen, teil seltenem Material, seine Lieblingstunes versammeln können. Empörend dürfte für Hardcore-Rare-Groove-Spießer daran die zweite CD der Compilation sein. Hier geht es weg von dem blutigen Garagen-Funk hin zu funky Disco der raren und extrem tanzbaren Sorte.

Der No.1-Northern-Soul-DJ gilt als Non-Plus-Ultra unter den Experten. Wenn man nach den Kriterien der Nerds geht, ist Darge deswegen der König unter den Rare Groove-Paten, weil er die meisten Platten besitzt (und spielt) die kaum jemand außer ihm besitz, geschweige denn kennt. Seine Jünger sprechen ehrfurchtsvoll von seinen Wissen und seiner Sammlung der schwarzen Musik der 60er und 70ern die auf über 100.000 Vinylperlen geschätzt wird. Es liegt nahe ihm die Aufgabe zu erteilen in den P&P Archiven zu graben um schönes Altes und neues Unbekanntes zu entdecken. Das legendäre Harlemer Independent Label wurde von Patrick Adams und Peter Brown gegründet und geführt und zählt zu den wichtigsten Labels dieser Epoche. Auch wenn Labels wie Westend, Sasoul, Atlantic oder Prelude mehr Aufmerksamkeit bekamen, kann man im retrospektiv sagen, dass P&P nicht einfach ein Label aus der Zeit war, sondern eine Plattform dessen ganzer Output diese Ära beeinflusste wie vielleicht kein anderer. Das sind die Basics für die Ausläufer House, vorwiegend der New Yorkschen Art und auch was sonst noch heute unter dem Dach der Dance-Culture sich tummelt und fummelt.

Das Ergebnis dieses Samplers ist noch besser und umfangreicher als die hervorragende „Disco Juice Vo.1 & 2“ Compilation (2002 auf Counterpoint Records erschienen). Keb Darge spielt seine Fähigkeiten voll aus und bringt der breiten Masse hier 2/3 von 30 Songs, die bisher noch nie auf CD gepresst waren. Da darf man sich zu Recht freuen. Hinzu kommt die Aufteilung. CD1 frönt den Funk der späten 60er Jahre und damit den von Darge vertretenen heiligen Gral. CD2 bringt eine extrafrische Prise funky Disco aus den Jahren 1974-1984, von der Art welche man bisher wahrscheinlich nicht hörte bzw. kannte. Auch wenn einige Deepfunk-Fanatiker hier stöhnen, sollte sie sich an ihrem Meister orientieren, der sich hier einem Metier öffnete, dass seinem verwandt ist und nicht enttäuscht wurde. Wie der Käufer dieser CDs auch.

Peter Hagen (Jazzriots)

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