Horror-Fans hier? Erinnert sich noch jemand an Vincent Price in „Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes“, wo er den wahnsinnigen Theologen und Organisten Dr. Anton Phibes gibt? Trash vom Feinsten, an den die Eröffnungstakte von Keith Emersons neuem Album wohl eher unfreiwillig erinnern. Dann ist aber schon Schluss mit gruselig, „The Keith Emerson Band feat. Marc Bonilla“ ist eine der angenehmsten Retro-Überraschungen des Jahres. Voller Verve, wie The Nice vor 40 Jahren, nur technisch viel besser und mit einem formidablen Gitarristen und Sänger, eben diesem Herrn Bonilla.
Der Schwulst, der Emerson, Lake und Palmer manchmal ein bisschen unerträglich gemacht hat, ist weitgehend eliminiert. Es ist mitunter spannend anzuhören, wie Tastenfreak Emerson zwischen seinen rattigen Trademark-Cluster auf der Hammond und Eric-Satie-ähnlichen Stimmungen am Piano oszilliert. Der gut erhaltene 63-jährige weist eben nicht nur in der Physiognomie Ähnlichkeiten mit Gitarrenhexer Jeff Beck auf… Dass Ballade auch ohne peinlich geht, beweist der „Lucky Man“ eindrucksvoll mit seinem wunderschönen „A Place To Hide“ und dass geschickt applizierte Zitate aus Klassik und Jazz nicht in verkopftem Geschwurbel enden müssen, auch. Für Progrock-Leute ein Muss, für alle anderen ein echter Tipp!
Jo Neckermann