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Kern & Claudio: Die nackte Wahrheit

Kern & Claudio: Die nackte Wahrheit

Sind wir alle mal ehrlich. Die älteren Heads, nennen wir sie mal die Schule aus der Generation der Heidelberger Veteranen, und HipHop-Hörer jüngerer Jahrgänge unterscheiden sich oft in der Attitüde und der Umgang mit der Kultur. Für viele war Breakdance, Grafiti, Djing, Beatboxing und der Rap keine in sich fremden und getrennten Elemente, sondern jeweils ein Teil von etwas Großen, aus dem sich jeder etwas nehmen und jeder etwas beitragen konnte. Was viele jüngere Heads als eine Art sagenumwobene Oldschool-Nostalgie oft belächeln, sind die Grundpfeiler einer Jugendkultur die ihre eigenen Wurzeln, ihre Geschichte oft genug vergisst.

Natürlich darf man das nicht pauschalisieren und auf alle HipHop-Interessierten beziehen, aber letztlich ist für viele HipHop auch nur ein Synonym für „Mode“. Diese leere Hülse gab es vor dem Ausverkauf nicht. Irgendwie ist alles HipHop. Rappende Erdnüsse, DSDS und das neuste urban Kleidungsstück von D&G. Wäre soweit die Fronten geklärt? No frontin’? Aber sicher doch. Gerade in diesen Zeiten in denen man gerne HipHop mit Großraumtechno gleichstellt, muss es wieder Handkantenschläge gegen die Vokuhila-Discopogojünger geben und daran erinnert werden, dass HipHop nicht nur funky, soulful, tief gehend und altmodisch sein darf, sondern unbedingt auch soll – für alle. Wenn selbst etabliert HipHop-Print-Redakteure von nur von „Spacken“ sprechen, „die nicht kapiert haben um was eigentlich geht“ und sich HipHop-Fanatiker sich vom Grossteil des heutigen Outputs (Inhalt und Qualität) angewidert abdrehen und lieber ihren Rare-Groove-Scheiben oder dem kreativern elektronischen Output zuwenden läuft definitv etwas falsch im Spiel.

An diesem Punkt kommt man an die Scheibe „Die nackte Wahrheit“ des Wahl-Düsseldorfers KERN von der Gruppe Rey’n’Kernnation und des Multiaktivisten Claudio aus dem süddeutschen Offenburg nicht vorbei. Hier in den Studios des eigenen Labels Streethop Records ist eine kleine Perle entstanden die ihre glänzende Momente in den zwei Schlüsselpositionen, der Liebe zur Kultur und dem kreativen Spaß der Vielfalt hat. So bekommt der Hörer neben einem fantastisch-ironischen Coverartwork einen tiefen Einblick in das Innenleben der zwei Künstler auf „Wo“ und „Los lassen“ in klassischen Storytelling, Positivity-Shit der Q-Tip-Schule auf „Den Funken“ und „Du bist du“ neben sozialkritischen, stark politisch aufgeladenen Songs wie „System-overloaded“ oder einer geballten Medienschelte auf „pop-culture“. Die Highlights des Albums sind die Oldschool-Jams „The nacked truth“ mit dem fast vergessenen und ewigen Kurtis Blow himself sowie der G-Funk-Stomper „8mal8“ mit sechs befreundeten Mcs aus ihrem Umfeld. Das latineske Blockparty-Tool „Streethop Salsa“ wird man auf viele Partys 2011 und darüber hinaus abfeiern. Wie viele Argumente braucht ein Mensch der HipHop mag noch für einen Kauf dieser CD?

Peter Hagen

Veröffentlicht am

5 Kommentare

  1. Hey yo,

    freue mich schon sehr auf die Scheibe, habe schon einiges von Kern (auch Rey) gehört und seit neustem auch von Claudio… mehr als “true heads” kann ich nicht sagen, das sind Menschen, die sich ernsthaft mit Hip Hop auseinandersetzen und dies – sofern der Zuhörer etwas Ahnung und Geschmack hat – in ihren Tracks widerspiegeln können. Besonders begeistert bin ich von dem Feature mit Kurtis Blow, den ich zuletzt im Oktober 2010 in Hannover sehen durfte. Und die Betonung liegt wirklich auf “durfte”, weil ich mit meinen 18 Jahren leider nicht aus dieser schönen Generation stamme!

    Für alle, die das lesen… unterstützt wahre Musik und Hip Hop durch den Kauf dieser Scheibe, ich werde das auch tun!

    Keep it real
    Jino

  2. Hört sich gut an. Ich wollte aber zu der übrigens sehr gut geschriebenen Plattenkritik was sagen. Nicht alle HipHop-Lovers der jüngeren Generation hören Disco Pogo und finden die Atzen gut.

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