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Kettcar: Fliegenden Bauten

Kettcar: Fliegenden Bauten

Im November 2009 erschien die wunderbare DVD „Kettcar – Live auf Kampnagel 5:43 a.m” mit dem Mitschnitt eines außergewöhnlichen Konzertes: Die Indie-Rocker mit einem Akustik-Set und Streicherquartett bei einem morgendlichen Gig im Sonnenaufgang. Schon zwei Monate später folgt das Programm als Live-CD, diesmal allerdings aus dem Hamburger Kulturzelt “Fliegenden Bauten” im Rahmen der November-Tour 2009. Und das war eine gute Entscheidung, denn die Reduzierung auf die rein auditive Wahrnehmung hat ihren ganz eigenen, intensivierten Reiz.

Man verzichtete bewusst auf Songs, die wohl nur in einer „lauten“ Umsetzung funktionieren und spielte zwölf alte, wohlverdiente Songs, die in den „leisen“, würdevollen Rahmen passten und dafür von Michael Hagel neu arrangiert wurden. All die Ruhe und Andächtigkeit – meilenweit vom Kitsch entfernt – entfaltet Tiefe und Emotionalität, wie sie nur bei akustischen Live-Aufnahmen entstehen kann, zumal es bei Kettcar auch um Inhalte und Sprachkunst geht.

Die Songs allein stehen im Mittelpunkt der Live-CD, die sich ganz dem Moment der musikalischen und textlichen Schönheit widmet. Kaum Ansagen, keine Zwischenrufe, kein Gejohle. Die begleitenden Streicher der Neuen Philharmonie Frankfurt sind eine bereichernde Ergänzung und niemals zu dominant. Der Gesang ist dank authentischer Atemgeräusche intim und unverfälscht. Die Band spielt fehlerfrei, ja fast ein wenig zu perfekt, denn es gibt keine Patzer, keine Lacher, kein „Lasst uns noch mal von vorne anfangen“. Es ist ein Live-Album, das nicht an eine vergangene Situation erinnern soll. Es ist ein Live-Album für die Ewigkeit.

Regina Sommerfeld

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