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Kidboy: Disparate EP

Kidboy: Disparate EP

So langsam müssen die Vinyl-DJs nicht mehr so lange in die Röhre schauen, wenn es um NuCumbia geht und neidisch auf die flexibleren Digital-DJs schauen. Bereits die Vol.21 von Resense Records hat die fiebrigen Fusionen von elektronischen Beats und traditionellen Latin-Klängen aus Süd & Mittelamerika sowie der Karibik auf Wax gepresst und den Sommer versüßt.

In der Tat konnte man bisher kaum die Kombinationen als Schallplatte erwerben. Es bleibt für Vinyl-Freunde der Global-Beats weiterhin zu hoffen, dass zu mindest die stärksten NuCumbia-Produktionen auf kleinen, mutigen und innovativen Labels (wie Chusma!) gepresst und veröffentlicht werden. In diese Kategorie gehört sicherlich das Münchner Imprint JAZZ & MILK. Seit Jahren gibt es hier leftfield-beats, futuristischer Jazz, Latin-Variationen und mehr. Nun gibt es eine sommerliche, frische neue 12inch, die es in sich hat und sicherlich zu den Must-Have-Singles von 2011 gehören.

Was aus dem Rare Groove-Bereich mit Sofrito & Quantic und Konsorten bereits heftig den Underground befeuert, wird nun, vorallem Dank der neuen und couragierten Beatbastler aus der ganzen Welt, weiterentwickelt. Cumbia, Son, Characha oder Salsa – die alten, traditionellen Klangwelten werden wiederentdeckt und wiederbelebt. Da spielen Dubstep, HipHop, Drum’n’Bass, Electro und andere moderne Sounderrungenschaften mit hinein. Was vor allem im Internet eine weltweite Fangemeinde durch Foren wie „Generation Bass“ aufweisen kann, geht nun den Weg zum regulären Tonträger – nur wie weit, ist nicht abzuschätzen. Hinzu kommt, dass viele DJs und Produzenten bereits diesen Sound spielen und in den Sommermonaten damit das Partyvolk beglücken. EL Operator oder Toy Selecta wären wundervolle Beispiele dafür, wie aufregend und Energie beladen diese Fusionen sind und wie sie über das Netz gepusht werden.

Kidboy, eine bislang gänzlich unbekannter Produzent aus dem spanischen Granada, hat sein Ohr am Puls der Zeit und sein Serato fleissig mit NuCumbia von Soundclound gefüttert. Das scheint ihn zu eigenen Ideen bewegt zu haben und diese sind schlicht grandios gelungen. Die EP „Disparate“ zeigt zwei dieser Zusammenkünfte von organischen und elektronischen Sounds. Zwei mal serviert er ein köstlich-sommerliches Latinrezept für die Tanzfläche und zwei mal präsentiert er ein Flashback in den warmen, jazz-umwobenen HipHop der 90er. Gibt es diesen Sommer eine 12inch die mehr Argumente für einen Kauf bietet. Wenn ja, bitte hier melden!

Peter Hagen

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