Die DJ-Kicks-Reihe von !K7-Records ist bis heute unerreicht und sie hat Klassiker hervorgebracht, was andere DJ-Mixes nie erreicht haben. Man denke nur an die Ausgabe von Kruder & Dorfmeister oder den Beitrag von Chemestry & Storm. K7 war oft ihrer Konkurrenz etwas voraus konnten Untergrund-Strömungen meist vor dem Boom präsentieren, ja sogar mit aufbauen. Mit den letzten Ausgaben hatten jedoch lange nicht mehr diesen Einfluss. Innovative Soundentwürfe oder Klangkonzepte konnten Juan McLean, Erlend Oye oder James Holden nicht bieten. Zwar konnte man ihre nicht immer kohärenten Werke nachvollziehen und den zeitgenössischen Electro-Wahn mitfeiern, jedoch fehlte der Reihe in den letzen Jahren mal wieder ein wahres Highlight. Nur woher das nächste große Tonabenteuer nehmen? Natürlich spricht alles für Dubstep. Kein Genre ist so jung, so frisch und so inspirierend für viele weltweite Produzenten. Dort wo Dub und Techno fusionieren, dort scheint zwar die spannendsten Schnittstelle der Clubkultur zu liegen, jedoch ist diese schon längst offenbart und muss nicht mehr entdeckt werden. Man kann jedoch sagen, dass es einem Ritterschlag gleich gilt, wenn K7 einen Protagonisten der Szene zum kompilieren bittet. Entdeckt werden muss Dubstep nicht mehr. Dafür ist er schon zu präsent. Dafür kann eine DJ-Kicks für mehr Etablierung und Referenz sorgen. So hat man sich entschieden, Kode9 zu engagieren.
Kode9 ist einer der Südlondoner Innovatoren und mit seinem Label Hyperdub sicherlich auch als wahre Institution zu sehen. Er ist die treibende Kraft im Dubstep-Spiel. Man hatte jedoch zwischen durch durchaus die Zweifel ob er auch dafür seine verdiente Props bekommt weil Burial und Skream doch mehr Aufmerksamkeit bei der internationalen Presse zwischen Fader Magazin, Spex und Rolling Stone abräumten. Mit seinem 2006er Album „Memories of the future“ wurde er mit einem genialen Klang-Entwurf sträflich vernachlässigt, ja fast schon ignoriert. Das sollte sich nun ändern. Auf der neuen DJ-Kicks zeigt er mit maximal zweieinhalb-minütigen Beatskizzen welche Variationen Dubstep bietet und wie viele Welten es spielerisch und immer schön mit Bass versehen, vereinen kann. Es darf housig sein oder auch gerne mit Raggamuffin’ gefüttert sein – Kode9 zeigt das UK Funky oder Garage, wie es früher gerufen wurde, so viele aus dem Schmelztiegel London vereint. Man kann die Perspektive fast schon als wundervoll bezeichnen, die Dubstep dem belanglos gewordenen R’n’B von Rhianna oder Beyonce aufweißt – wie er eindrucksvoll mit „Dirty Illusions“ oder „Spiralz“ aufzeigt.
Eines ist K7 mit diesem Mix auf sehr besondere Weise gelungen: Sie haben eine erfahrenen Plattenleger und Produzent verpflichtet, der Cluberfahrungen nicht nur besitzt sondern hörbar ständig darüber reflektiert und Sounds entwirft und mischt, die vorher so niemand auf dem Schirm hatte. Dancehall, House, Grime oder Dub schließen einander nicht mehr aus. Welch ein Erlebnis und vor allem Hörgenuss diese Soundsafari sein kann, beweißt diese DJ-Kicks. Eintauchen. Erleben.
Peter Hagen