Musik aus Tel Aviv verbindet man im Jahr 2007 nicht sofort mit vor Funk strotzenden Beats, wie sie Ophier Kutiel, genannt Kutiman, macht. Denkt man doch zu erst einmal an die alt-traditionelle jüdische Klezmer-Musik oder die Trance/Techno-Hysterie der letzten Jahre. Israel ist jedoch der Lebensraum des 25jährigen studierte Komponisten, Produzenten und Musikers Kutiman. Von hier aus analysierte der junge Musikbegeisterte seit seinem College-Besuch die weiten Welten des Jazz, Funk & Afrobeats. Und in der Tat beweisen die erste Klänge seines Debütalbums ein unglaubliches Gespür für Blaxploitation-Sounds der 70er Jahre, das Erbe Fela Kutis und dem verstorbenen Godfather of Soul. Politische Statements sucht man jedoch vergeblich auf dem spacigen Funkfeuerwerk. Hier heisst die Botschaft Groove und blendet komplett die Konfliktsituation mit Palästina und das damit verbundene Leben in Angst und voller Gefahr einfach aus.
Hört man dann die fulminante Bridge von seiner ersten Single „No Groove where I come from“ ist man erstaunt darüber was dieser junge Künstler scheinbar völlig autark geschaffen hat. So sind Tracks wie „Losing you“ sehr psychodelisch und roh funky auf der einen Seite, und wunderbar verspielten sowie deepen, nie enden wollenden „Escape Route“ oder geschmeidig-jazzige „I just wanna make love to you“, auf der anderen Seite.
Völlig zu Recht und ohne auf jeglichen Meinungsmacher-Zug aufzuspringen gehört das zu den wichtigen, musikalischen Ereignissen bzw. Überraschungen des Jahres 2007. Nicht mehr und nicht weniger.
Peter Hagen (Jazzriots)