Wenn Jazz sich einen neuen Weg suchen will, findet Jazz diesen eigentlich auch. Der Katalysator dafür steckt jedoch nicht in jedem Jazzer, den man aktuell so hören darf. Manche bösen Zungen haben auch schon zwiespältiges wie ,,Jazz ohne Eier” anderen ,,Wissenden” um die Ohren geworfen. ,,So ist es halt beim Jazz”, sagt ein anderer – der genauso viel gefährliches Halbwissen hat. Aber eigentlich ist es immer noch schwierig gestandene Jazzhörer dazu zu bringen, sich auch mal neue Jazzentwürfe anzuhören. ,,Rare Groove Spießertum” sagen viele dazu, andere umschreiben es als Borniertheit oder Unvermögen sich Neuem zu öffnen. Denn in der Tat tut sich einiges im Jazz.
David Murray, selbst begnadeter Saxophonist der neueren Generation, wird das sofort ausrufen, wenn man ihn danach fragen würde. Ist er doch zur Zeit auf Tour mit einem gewissen Lafayette Gilchrist. Seines Zeichens Pianist der die Standards genauso perfekt beherrscht wie seine eigenen Interpretationen von Be-Bob und Funkyness. Er definiert seine Ansätze viel näher an der revolutionären, zügellosen Jazzavantgarde der 60er (Archie Sheep) als an dem Boogie-Wookie eines Count Basie. Und somit müsste dass eigentlich ,,Eier haben”. Und wenn man bedenkt, dass der junge Mann aus Baltimore hier sein inzwischen drittes Album vorlegt, kann man auch nicht mehr wirklich von Nachwuchs-Talent, jedoch von Geheimtipp sprechen. Das hier ist wirklich gut – durchweg. Leicht beschwingt bis abstrakt free / hard bobbig – aber ich befürchte das einige ,,Kenner” wieder davon sprechen werden, dass das schon mal einer so gemacht hat. Und ja, das ist richtig. Jedoch macht der hier, das wirklich ausgezeichnet.
Peter Hagen (Jazzriots)