In der ersten Hälfte der Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts stand der Singer/Songwriter aus Georgia so gut wie in einer Reihe mit den Vertretern des „Outlaw Movements“ innerhalb der US-Countryszene: Waylon Jennings, Willie Nelson, Townes Van Zant und dem jungen Steve Earle. Vier Alben nahm der Hüne mit der eindrucksvollen Stimme (von der Kris Kristofferson meinte „Er kann mit ihr dein Herz brechen wie eine
Kanonenkugel“) auf. Kommerzielle Erfolge wurden sie keine: Zu soulig für die Rednecks, zu erdig für die Disco, zu realistisch fürs Radio, zu schlau für Spelunken… Der mittlerweile über 70-jährige verhinderte Held des amerikanischen Alternativ Country hat nach 28 Jahren sein Schweigen gebrochen und ein neues Album aufgenommen. „I got to do it with no sticks and no plugs!“ hatte sich LJW ausbedungen. Und so – akustisch und ohne Schlagzeug – verbreitet sich beim Hören der melancholischen, reflexiven Songperlen ein Gefühl des Nachhausekommens, verbunden mit der Sehnsucht und der Hoffnung, dass das Leben vielleicht doch noch bringen möge, was es einst versprochen hatte. Es ist diese Art von Musik, die man mit einem guten Rotwein vor dem Kaminfeuer genießen sollte, sich wehmütig an das Feuer seiner Lenden zurück erinnernd. Und letztlich zum Schluss kommend, dass doch alles seinen Sinn hat, so wie es ist…
Jo Neckermann