Review

Lee Fields & The Expressions: My World

Lee Fields & The Expressions: My World

Review:

Kann Soul Music glaubwürdiger und eindringlicher sein als das? Diese Frage schlägt einem wie eine Keule auf das Gemüt, wenn man „My world“, die neue LP von Lee Fields hört. Der aus North Carolina im heißen Süden der USA stammende Sänger besitzt etwas, das nur wenige Künstler in den letzten vier Jahrzehnten hatten. Die Fähigkeit mit einem großartigen Songwriting und einer prädestinierten Stimme in Verbindung mit der entsprechenden musikalischen Unterlegung einen wahren Klassiker entstehen zu lassen.

Bereits in den Siebzigern hatte Fields mit einigen Singles wie „She’s a lovemaker“ auf sich aufmerksam machen können. Zu einem Status der damaligen Genrestars reichte es jedoch nicht. Beeinflusst vom Memphis Soul und dem Godfather of Soul James Brown begann er seinen eigenen Soul zu definieren. Wenn man seine heutigen Werke hört, könnte man annehmen, dass Al Green mit seinen Anfang 70er-Werken am nahesten stand bzw. ihn scheinbar sehr inspirierten.

Mit dem Album “Let’s talk it aver” konnte er Ende der 70er dann doch noch eine Duftnote hinterlassen. Während viele den hippen Disco schon frönten, entdecke Fields den Funk für sich. Diese Scheibe gehört seit vielen Jahren zu einem Highlight in jeder Plattensammlung. Vielleicht war es auch genau diese Scheibe, die Leon Michels und Jeff Silverman auf den alten Crooner aufmerksam machten. Diese Platte gilt als Wegweisend für die Produktionen des aktuellen Funk-Renaissance-Zirkel um Dap-Tone Records und Truth & Soul.

Der inzwischen in Brooklyn lebende Altstar wird scheinbar im Alter besser und besser. Ganz nach dem Vorbild der alten Tage, Al Green, der ja bekanntlich auch letztes Jahr ein fulminantes Comeback feierte und im hohen Alter noch mal richtig durchstartet.

Fields hat genug erlebt in den Jahren der Bedeutungslosigkeit nach den Anfangserfolgen. Von Alkohol, Drogen und anderen Schicksalsschlägen ist oft, auch in seinen Texten die Rede. Genau dort liegt auch der Kern der Authentizität seiner Persönlichkeit. Diesem Mann nimmt man sofort ab, dass er dahinter steht was er hier thematisiert. Selbst seine Hommage an die Weiblichkeit und deren süße, verführerischen Früchte („Ladies“) kommen ehrlich rüber – trotz seines vorgeschrittenen Alters. Analog zu den Szenegrößen wie Marvin Gaye oder Curtis Mayfield ist es nicht konträr, dass neben diesen anzüglichen Texten auch sozialkritische Texte wie „Money is king“ stehen – die dem kleinen, durchschnittlichen Mann aus dem Volk aus der Seele sprechen. Croont Fields dann auch noch Schmerz verzerrt „My world is empty without you“ kann man die Parallelen zu klassischen Soul-Meisterwerken nicht mehr anzweifeln. Hier fleht jemand förmlich den tiefgehenden Soul der 60er Jahre zurück.

Musikalische wird der entsprechende, analog eingespielte Sound von den Produzenten Michels/Silverman perfekt inszeniert und absolut „Vintage“, wie man aktuell zu sagen pflegt, gehalten. Soundtechnisch knüpft die Platte dort an wo dieses Jahr die Kapellen Menahan Street Band und El Michels Affair anfangen haben. Jazzfunk-Soundtracks mit einer lange nicht gespielten Rhythm & Blues-Tiefe verganger Tage treffen aus bittersüßen Soul. Die bunte Retrospektive gehört definitiv zu den Highlights des Jahres 2009 – und wäre so wahrscheinlich auch 1969 zu einem großen Stück Musik ausgerufen worden.

Peter Hagen



Trackliste:

1. Do you love me (like you say you do)
2. Love comes and goes
3. Honey dove
4. Money i$ king
5. My world is empty
6. Expressions theme
7. My world
8. Ladies
9. These moments
10. The only one loving you
11. Last ride

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