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Lila Downs: Shake Away

Lila Downs: Shake away

Mexikos Musik ist nicht unbedingt jene, die die Welt in den letzten Jahren als die Einflussreichste gefeiert hat. Hier und da konnte man über Musik aus Mexiko etwas erhaschen. Die Rocker von Calexico oder Mana stehen hier wohl Pate für einige, sehr interessante Künstler und Gruppen die die Fusion zwischen traditionellen, mexikanischen Elementen und Rock perfektioniert und in die Welt hinaus getragen haben. Schon bei den Azteken spielte in der Kultur Musik eine wichtige Rolle. 300 Jahre Kolonialeinfluss brachte viele Arten von Musik in die mexikanische Kultur hinein. So gibt es in der oft melancholischen Mixtur spanische Gitarren oder südamerikanischen Rhythmen mit sich. Diese Musik trägt jeder Mexikaner in sich und zeigt das auch immer wieder, auch wenn er populäre Musik macht – das kann man auf allen aktuellen Werken zwischen Rock und Pop hören. Die von Weltschmerz geschwängerten Melodien liegen den Mexikanern einfach und natürlich lieben sie diese auch innig. Die Halb-Mixtekin Lila Down gehört zu den Künstlerinnen, die die Tradition in ihrer Musik natürlich auch weiterleben lassen. Gleichzeitig öffnet sie sich allen Spielarten die irgendwie mit Latino zu tun haben. Pop und Jazz verbindet sie mit ihrer Band gekonnt zu einem ansteckenden, sehr eingängigen Mix. Bei ihren Texten legt sie Wert auf sozialkritische und politisch brisante Themen (Emigranten, Klassengesellschaft), vergisst aber nicht die klassischen Inhalte wie Liebe, Schmerz, Stolz und Wut.

Mit ihrem Debüt „Sandunga“ konnte sie vor elf Jahren bereits beweisen, dass die stimmlich und textlich zu den Großen gehören könnte. Leidenschaft, Ausdrucksstärke und Talent kann man dieser Dame auch auf ihrem neue Album „Shake away“ wieder bündeln. Ganz so scharf wie auf „Border la linea“ ist ihr Ton bzw. der Inhalt auf dem neuen Werk nicht – dafür nicht minder gut. Wieder findet sie eine gelungene Abwechslung zwischen eigenen Interpretationen von Klassikern (Santana’s „Black Magic Woman“) und eigenen Werken. Soundtechnisch geht es hier etwas mehr in eine mainstream-tauglichere Richtung als auf ihren Werken zuvor. Das Wechsel- und Zusammenspiel von Bolero, Jazz, Cumbia, Pop und Rock zeugt natürlich von einer hochwertigen Band die mit ihr sehr gut harmoniert. Man mag manchmal schon fast dazu neigen, der Platte Kahlkühl vorzuwerfen, dass sie für den US-amerikanischen Markt mit mehr Kompromissen als ihre Vorgänger einzugestehen. Soweit kommt es jedoch nicht – weil die Scheibe schlicht durch gute Musik überzeugt, die vielfältig, ansteckend und nie einfältig ist.

Peter Hagen

Veröffentlicht am

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