Review

Little Vic: Each dawn i die

Little Vic: Each dawn i die

Der New-York-Underground ist wohl doch nicht so tot, wie es viele gerad ein den letzten Jahren heraufbeschworen. Es fielen sogar Worte wie „Identitätskrise“. Diese Verunsicherung teilten jedoch nicht alle Aktivisten aus Big Apple. Die knackigen Releases von Big Noyd, Torae, Skyzoo oder AC & St. Da Squad haben gezeigt, dass charismatischer Eastcoast-Sound immer noch seine Berechtigung hat. Auch wenn sich viele Kollegen gerne mal am Dirty-South-Hype berauschen, gibt es hier eine überschaubare Schar an Aktivisten, die „Protect Ya Neck“ und „The Infamous“ näher sind als zeitgenössischen Synthie-Sounds. Diese Künstler machen das, was in ihrer Tradition liegt. Ihre Referenzenliegen in den späten Neunzigern. Da kommt schon mal Zweifel auf, ob das auf Dauer nicht Langeweile mit sich bringt. Erstaunlicherweise besitzen gerade die oben genannten Acts den gewissen Charme, einen Longplayer oder ein Mixtape mit geballter Energie und Rohheit zu versehen, dass man durchaus entzückt ist. Nostalgieliebe vorausgesetzt. Einer dieser Fackelträger der nächsten Generation ist auch der Italo-Amerikaner Little Vic, zuhause in LongIsland, NY. Hier konnte man in den letzten Monaten immer mehr von diesem Rohdiamanten hören. Das Mixtape-Business floriert nach wievor, und Vic ist ein Beispiel dafür, dass diese Plattform genutzt werden kann – vorausgesetzt man hat Skillz.Von diesen konnte Vic die Rap-Gemeinde auf den Mixes von DJ WhooKidd, DJ Domination, DJ Woogie,DJ Front und DJ Eclipse überzeugen. Ein gewisser Herr Christopher Martin hat dann um ein weiteres Malbewiesen, dass er das DJ-Ohr auf der Straße hat und Qualität supportet. Premo produzierte dann „The Exorzist“. Wie das meistens so ist, verkauft sich das dann auch in einer beachtlichen Stückzahl und bringt dem Künstler kurzzeitige Aufmerksamkeit. Jetzt galt es nachzulegen. Der talentiere MC debütiert nun mit „Each Dawn I Die“ und macht seinen Job mehr als gut. Gleich zu Beginn gibt er die Marschroute auf dem Eastcoast-Brecher „It’s My Turn“ vor. Es folgen autobiografisches Storytelling wie „Dying Slowly“ und „SisterMorphine“. Das Goldstück der Scheibe befindet sich mit „Carry The Weight“ am Ende, wo Little Vic eindrucksvoll beweist, dass man mit ihm auch in Zukunft rechnen darf. Das dokumentiert er dann auf dem Generationstreffen „Caked Up“ mit dem alten Haudegen und Mafia-poet Kool G Rap besonders gut. Wer auf Sample-basierten, schweren NY Sounds der vergangenen Tage steht: Don’t miss Vic.

Peter Hagen

Veröffentlicht am

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>