Lützenkirchen: Pandora Electronica
Review:
Sommer 2008, die erste Überraschung in den Charts ist vollbracht. Der Münchner Produzent Tobias Lützenkirchen ist mit seinem Album in die deutschen Verkaufschart eingestiegen. Erstaunlich daran ist, dass „Pandora Electronica“ bis auf den allseits bekannten Partyhit „3 Tage Wach“ irgendwo zwischen Electronica, House, Techno, ja sogar Trance ohne jegliche Mainstream-Attitüde antritt. Der bereits als Single gechartete, refrainschwangere Smasher „3 Tage wach“ hat mehrer Ebenen des Erfolges in der breiten Masse erreicht. Eine Ebene macht sogar nicht mal mehr halt vor Bravo Hits und Durchschnittdeutschen heiliger Urlaubs u. Ablebplatz, dem Ballermann auf Malle. Auf der anderen Seite hat das Melt!-Festival schon angekündigt, dass eben diese Hommage an das exzessive, technoide Nacht/Tag/Nacht-Leben zur offiziellen Hymne gekürt ist. Aufmerksamkeit von allen Seiten. Positiv ist natürlich, dass nach vielen Jahren mal wieder elektronische Musik in Reinform in den Charts stattfindet. Hier hat man lange keine astreinen Underground & Clubkulturströmungen mehr erleben dürfen – auch wenn viele das ja über den augenblicklichen HipHop-Hybridenstatus (eines Timbaland) denken. Lützenkirchen dürfte es Schnuppe sein, wie und von wenn seine Musik letztendlich wahrgenommen und vor allem gekauft wird. Seine kreative Ader soll hier nicht unerwähnt bleiben. Seine Definitionen von elektronischer Dance-Musik ist frei von Dogmen und vielschichtig. Das wird natürlich viele schocken, die dachten, der kompromisslose und sarkastische Partyspaß der Single ginge hier auf dem gleichen Level weiter. Wen man das Album hört, wird auf den 12 weitern Tracks klar, dass Lützenkirchen keine Angst um seine Reputation haben muss. Der Mann kann war an den Reglern und lässt seine Kenntnis der Clubkultur als DJ einfließen. Elektronische Musik aus deutschen Landen hat eine lange Tradition. Kraftwerk schweben hier ja immer noch als Hauptinspiration und Antrieb für viele Produzenten über allem. Das mal ein Akt die Charts mit einem durchaus unterhaltsamen Groove zwischen progressiven Techno und eingängigen, oft minimalen House-Klängen die Charts entert, bringt den traurigen Gedanken zu Tage, dass Kompakt Records bereits vor einigen Jahren elektronischen Musik mit Pop (und auch deutschsprachigen Gesang) raus brachten und außer ein paar Spex-Lesern und Plattendiggern in Köln und Berlin niemand so richtig davon Kenntnis nahm. Vielleicht ändert sich dass ja jetzt etwas wenn die Nation auf „3 Tage Wach“ feiert?!
Peter Hagen
Tracks:
- 01. For A Friend
- 02. Smack My Pony
- 03. Super Duper
- 04. The End Of Chords
- 05. Casa Cadabra
- 06. One Night In Rio
- 07. Bahia Melody
- 08. Panker
- 09. Hypnotized
- 10. Cairo on Acid
- 11. Leer Aber Techno
- 12. 3 Tage Wach
- 13. A Whisper In The Wind
Releases:
- Lützenkirchen: Pandora Electronica, Audio CD, VÖ: 30. Mai 2008







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