Das mal zuerst: Die Musik des dynamischem Sechsers aus San Francisco ist so Rock ‘n’ Roll wie die Strumpfhose meiner Oma. Und so schwarz wie eine Latte Macchiato ohne Espresso. Und sie groovt, wie ein Schwein hinkt! Aber, frankly, my dear: In diesem Sommer, in dem wir alles brauchen, außer Ice In The Sunshine, wo uns die näxte Ladung Cuba Libre stante pede ins LaLaLand spülen würde, in dem uns
(verdiente) Mainstreamkünstler wie John Mayer geradezu als eine Inkarnation von Florian Silbereisen vorkommen, brauchen wir die hipnervösen, campusgeschwängerten, halbhysterischen Ergüsse von dieser Bande Bay Area-Studententypen, die nix anderes zu tun haben vor ihrem Job als Anwälte, Psychiater oder Porsche-Gebietsleiter,
als: Mach die Musik vom Papa – aber besser als der alte Sack! Und so hören die ganz Alten beispielsweise den bollerigen, aber überaus präzisen Basssound von Stax Soul, erweiterte Gitarrenakorde, die ausser den Searchers noch eine anderer bekannte Merseyside-Band (guess who?) hingekriegt hat und ein kreatives Stop-and-go- Schlagzeug, das allerdings vor vierzig Jahren manchem Zahnarztsohn die Karriere in einer Band gekostet hätte. Die “aktive Mitte” fühlt sich natürlich an die neurotischen Qualitäten von Legenden wie Television, Talking Heads, oder die Schmitts erinnert. Aber diejenigen, die es eigentlich angeht, haben ein klasse Stück Musik, das erst unter Dschungeltemperaturen seine Qualitäten entfaltet!
Jo Neckermann